Ein tätowierter Mann entspannt auf einem Flamingo im Pool. Daneben steht eine Sammlerbox mit Vice-City-Merchandise.
Meinung

GTA 6: Warum Merch ohne Spiel keine Collector’s Edition ersetzt

Von Ramona 4 Min. Lesezeit

Fast 400 Euro, aber ohne das eigentliche Spiel: Die Vice-City-Collection zeigt ein Problem vieler Sammlerpakete. Teuer allein macht Merch noch nicht besonders.

Fast 400 Euro für ein Merch-Paket zu Grand Theft Auto 6 wären schon als vollständige Sammleredition eine Ansage. Dass das Spiel bei der „The Goodtime State – Vice City Collection“ separat gekauft werden muss, verändert die Sache aber grundlegend: Hier wird nicht das Spiel mit besonderen Extras verkauft, sondern ein sehr teures Zubehörpaket rund um ein Spiel, das man zusätzlich bezahlt.

Das ist keine Forderung danach, dass jede Edition für alle Fans bezahlbar sein muss. Sammlerstücke dürfen Luxus sein. Aber Luxus braucht einen nachvollziehbaren Gegenwert. Genau daran lässt die Vice-City-Box Zweifel aufkommen.

Ein Sammlerstück ohne Mittelpunkt

Eine klassische Collector’s Edition bindet ihre Extras normalerweise an das eigentliche Werk. Sie macht aus einem Spielkauf etwas Besonderes, etwa durch ein Artbook, eine Figur, eine besondere Verpackung oder Einblicke in die Entstehung. Nicht jedes Extra muss praktisch sein. Es darf auch einfach schön fürs Regal sein.

Bei der Vice-City-Collection fehlt jedoch ausgerechnet der Kern: Grand Theft Auto 6 selbst. Wer das Paket kauft und spielen möchte, zahlt also noch einmal für den eigentlichen Titel. Dadurch fühlt sich der Preis nicht wie ein Aufschlag für eine besondere Ausgabe an, sondern wie der Eintritt in eine zusätzliche Verkaufsebene.

Zum Paket gehören unter anderem Kappe, Sonnenbrille, Schlüsselbund, Barlöffel, Shotglas, Umhängetasche und eine Figur. Das kann für einzelne Fans durchaus reizvoll sein. Eine Kappe oder ein hübsches Sammlerstück kann Freude machen. Als Gesamtpaket stellt sich aber die wichtige Frage: Entsteht hier wirklich etwas, das nur für GTA funktionieren kann, oder wurden viele übliche Merch-Artikel mit einem besonders starken Markennamen versehen?

Gerade bei fast 400 Euro ist das keine kleinliche Frage. Der Preis verlangt mehr als ein Sortiment, aus dem sich jeder Käufer vielleicht zwei oder drei Lieblingsstücke herauspickt.

Teuer ist nicht automatisch wertvoll

Der Begriff „Collector’s Edition“ hat sich über die Jahre stark verschoben. Er kann für eine liebevoll zusammengestellte Ausgabe stehen, aber auch für ein Paket, das vor allem durch Verknappung und Markenwirkung teuer wirkt. Beides ist nicht dasselbe.

Wert entsteht bei Sammlerstücken nicht nur durch den Preis. Er entsteht durch eine Idee. Ein Making-of-Buch kann zeigen, wie eine Spielwelt entstanden ist. Ein Steelcase kann eine Edition sichtbar vom Standardspiel abheben. Eine Figur kann eine Szene, eine Figur oder einen Stil festhalten, den Fans mit dem Spiel verbinden. Selbst ein unnützer Gegenstand kann funktionieren, wenn er so speziell ist, dass man ihn nicht einfach als beliebiges Merch wahrnimmt.

Die Vice-City-Collection setzt offenbar stärker auf Lifestyle-Gegenstände. Das passt grundsätzlich zu einer Reihe, deren Schauplatz und Atmosphäre oft genauso vermarktet werden wie ihre Figuren. Trotzdem bleibt ein Unterschied zwischen „passt zum Stil“ und „rechtfertigt diesen Preis“. Wenn das Spiel nicht enthalten ist, müsste die Box besonders überzeugend zeigen, warum genau diese Objekte zusammengehören und warum sie für Fans einen bleibenden Wert haben.

Niemand muss sich fürs Kaufen rechtfertigen

Wer die Collection mag und das Geld dafür ausgeben möchte, macht nichts falsch. Sammeln ist persönlich. Manche stellen Figuren aus, andere tragen eine Kappe ihrer Lieblingsreihe oder freuen sich über Gegenstände, die für Außenstehende völlig überflüssig wirken. Das ist Teil des Hobbys.

Problematisch wird es erst, wenn aus dieser Begeisterung die Erwartung entsteht, Fans müssten immer mehr bezahlen, um „richtig“ dabei zu sein. Ein Spiel sollte vollständig für sich stehen. Merch darf es ergänzen, aber nicht das Gefühl erzeugen, dass die eigentliche Fan-Erfahrung erst nach mehreren teuren Käufen komplett sei.

Auch die bereits auftauchenden Weiterverkaufsangebote zwischen 599 und 800 Euro zeigen vor allem, wie schnell solche Pakete zum Spekulationsobjekt werden können. Für Fans entsteht daraus kein zusätzlicher Wert. Es steigt nur die Gefahr, dass Begeisterung durch künstlich aufgeheizte Preise ersetzt wird.

Der Preis setzt ein Zeichen für die nächste Box

Die wichtigste Debatte dreht sich deshalb nicht um ein Shotglas oder eine Sonnenbrille. Sie dreht sich darum, welche Signale ein großer Publisher aus solchen Verkäufen mitnimmt. Wenn ein Zubehörpaket ohne Spiel für fast 400 Euro funktioniert, wird ein noch höherer Preis beim nächsten Mal leichter zu begründen sein. Nicht unbedingt bei jeder Reihe, aber bei Marken mit enormer Reichweite.

Fans haben dabei mehr Einfluss, als es auf den ersten Blick wirkt. Nicht durch Empörung allein, sondern durch die Entscheidung, wofür sie ihr Geld ausgeben. Ein gutes Sammlerstück belohnt Begeisterung mit etwas Eigenem und Dauerhaftem. Ein teures Merch-Bundle sollte nicht allein deshalb attraktiv sein, weil der Name auf der Verpackung groß genug ist.

Die Vice-City-Collection kann für Menschen, die genau diese Gegenstände lieben, trotzdem die richtige Wahl sein. Als Beispiel dafür, wie eine Collector’s Edition aussehen sollte, überzeugt das Konzept aber kaum. Ohne Spiel im Paket muss jedes einzelne Extra viel stärker beweisen, warum es diesen Preis wert ist.

Weiter im Gespräch

Drei Stimmen. Ein gemeinsamer Spielstand.

REDEN WIR
ÜBER GAMES.

News mit Kontext, Tests mit Haltung und Geschichten aus ganz unterschiedlichen Spielwelten.

Alle Artikel