Am 5. August kommen mit Lies of P, DayZ und My Hero One’s Justice 2 drei sehr unterschiedliche Spiele zu PS Plus Essential. Gerade diese Auswahl zeigt aber gut, warum ein Abo nicht automatisch bedeutet, dass man nun drei neue Spiele „nachholen muss“.
Der Wert eines Monats liegt nicht allein darin, wie groß oder bekannt die Titel sind. Entscheidend ist auch, wie leicht ein Spiel seinen Platz im eigenen Alltag findet. Im August stehen drei Angebote bereit, die jeweils etwas verlangen: Geduld, Frustresistenz oder Interesse an einer konkreten Vorlage. Das ist keine schlechte Auswahl. Sie ist nur deutlich weniger bequem, als drei Namen in einer Liste zunächst wirken lassen.
Lies of P ist das klare Angebot für Ausdauer
Lies of P dürfte für viele Mitglieder der naheliegendste Download sein. Das Action-Rollenspiel verbindet eine düstere, viktorianisch geprägte Steampunk-Welt mit einer lose an Pinocchio angelehnten Geschichte. Als P kämpft man sich durch Krat, eine Stadt voller mechanischer Monster und Wahnsinn.
Seine große Stärke liegt offenbar genau in dem, was auch seine Einstiegshürde ist: den fordernden Kämpfen. Das Spiel orientiert sich bei seinem Kampfsystem klar an Soulslikes. Bosse wollen gelernt werden, Waffen und der Arm der Hauptfigur lassen sich anpassen, und Fehlversuche gehören zum Ablauf. Dazu kommen Entscheidungen rund um Lügen, die den Verlauf der Geschichte und die Enden beeinflussen.
Das kann sehr reizvoll sein, weil das Spiel nicht nur nach Aufmerksamkeit verlangt, sondern auch etwas zurückgibt, wenn man sich auf seine Systeme einlässt. Gleichzeitig ist ein längeres, anspruchsvolles Abenteuer nicht für jede Phase geeignet. Wer nach einem anstrengenden Tag lediglich eine halbe Stunde abschalten möchte, wird mit dieser Art von Spiel womöglich nicht warm.
PS Plus ist hier vor allem eine gute Einladung zum Ausprobieren. Man kann herausfinden, ob einem die düstere Welt und die präzisen Kämpfe liegen, ohne dass der Gedanke an einen Einzelkauf im Hintergrund mitspielt. Aber auch im Abo bleibt die wichtigste Frage dieselbe: Möchte man gerade ein Spiel, das Widerstand leistet?
DayZ verlangt mehr als bloßes Durchhalten
Bei DayZ sieht die Hürde anders aus. Das Survival-Spiel setzt auf eine Welt, in der Nahrung, Wasser, Krankheiten, Verletzungen und Ausrüstung ständig eine Rolle spielen. Gleichzeitig sind andere Überlebende ein wesentlicher Teil der Erfahrung. Eine Begegnung kann Hilfe bringen, sie kann aber ebenso schnell gefährlich werden.
Diese Unberechenbarkeit ist der Kern von DayZ. Aus ihr entstehen Geschichten, die kein festes Skript planen kann. Wer sich durchschlägt, Ressourcen findet und mit anderen Spielern umgehen muss, erlebt eine Art von Spannung, die ein klassisches Einzelspieler-Spiel kaum nachbildet.
Doch genau dafür braucht es Geduld mit den sperrigen Seiten des Spiels. Die Konsolenversion verzichtet auf die Modding-Community der PC-Fassung, und es gibt Berichte über Bugs, Abstürze sowie Probleme bei Darstellung und Bedienung. Auch das Inventar und die Menüs können einem den Einstieg schwer machen.
Damit ist DayZ kein Titel, den man einfach nebenbei antestet und sofort beurteilen sollte. Es ist eher ein Angebot für Menschen, die bereit sind, sich Regeln selbst zu erarbeiten und mit Rückschlägen zu leben. Das ist ein legitimer Platz in Essential. Dennoch sollte niemand enttäuscht sein, wenn der erste Versuch nicht zündet. Bei diesem Spiel ist die Reibung nicht nur Teil der Atmosphäre, sondern auch Teil des Pakets.
Das Kampfspiel ist leichter zugänglich, aber nicht automatisch langlebiger
My Hero One’s Justice 2 wirkt daneben zunächst wie die unkomplizierte Wahl. Das 3D-Kampfspiel nutzt Figuren aus My Hero Academia und setzt auf effektvolle Spezialfähigkeiten. Es bietet eine Geschichte, lokale Duelle sowie Online-Kämpfe für bis zu vier Spieler.
Die Steuerung soll auch Einsteigern den Weg in die Kämpfe erleichtern. Für Fans der Vorlage ist das vermutlich der größte Vorteil: Bekannte Helden, Schüler und Schurken treten in schnellen, auffälligen Auseinandersetzungen gegeneinander an. Als Spiel für einen Abend mit Freunden oder für ein paar direkte Online-Duelle kann das sehr gut funktionieren.
Die Kehrseite ist die begrenzte spielerische Tiefe. Die Story wird über comicartige Zwischensequenzen erzählt, bleibt aber eher oberflächlich. Zudem können sich Kämpfe mit der Zeit wiederholen, während Kamera und Zielsystem nicht immer präzise arbeiten. Wer ein besonders tiefes Kampfspiel sucht, wird hier wohl weniger lange bleiben als bei einem Genrevertreter, der stärker auf taktische Feinheiten setzt.
Das macht My Hero One’s Justice 2 nicht überflüssig. Gerade ein Abo darf auch Spiele enthalten, die man nicht unbedingt kaufen, aber gern einmal mitnehmen würde. Es ist nur ein gutes Beispiel dafür, dass „leicht einzusteigen“ etwas anderes ist als „lange zu spielen“.
Ein Monat für verschiedene Spielrhythmen
Die August-Auswahl ist deshalb vor allem ein Test dafür, wie unterschiedlich Freizeit aussehen kann. Lies of P will konzentrierte Abende und die Bereitschaft, besser zu werden. DayZ verlangt Geduld mit komplizierten Systemen und unplanbaren Begegnungen. My Hero One’s Justice 2 liefert den schnellsten Zugang, trägt aber vermutlich stärker über die Freude an der Anime-Vorlage und an gemeinsamen Duellen.
Für PS-Plus-Mitglieder ist das trotzdem eine faire Mischung, weil nicht alles dieselbe Art von Spielzeit fordert. Der praktische Vorteil eines Abos liegt gerade darin, nur das mitzunehmen, was zum eigenen Rhythmus passt. Die Spiele müssen nach dem Hinzufügen zur Bibliothek nicht sofort begonnen werden. Mit einer aktiven Mitgliedschaft bleiben sie dort nutzbar.
Im August muss man also nicht entscheiden, welches der drei Spiele das „beste“ ist. Sinnvoller ist die Frage, welche Hürde gerade die richtige sein könnte. Manchmal ist das ein harter Bosskampf, manchmal eine unfreundliche Überlebenswelt. Und manchmal reicht ein lautes Duell mit bekannten Anime-Figuren vollkommen aus.