Collage mit einem blutigen Zombie, einem Science-Fiction-Soldaten mit Hologramm und einer futuristischen Kriegerin.
Meinung

PS5-Shooter 2026: Warum Vielfalt wichtiger wird als ein großer Hit

Von Ramona 5 Min. Lesezeit

2026 stehen auf der PS5 nicht nur große Gefechte an. Die spannendere Entwicklung ist, wie unterschiedlich Shooter ihre Spannung, ihre Teams und ihre Welten gestalten.

2026 muss für Shooter auf der PS5 nicht zwangsläufig das Jahr eines einzigen, alles überragenden Spiels werden. Viel interessanter ist, wie weit das Genre in unterschiedliche Richtungen zieht. Zwischen einem Cartoon-Detektiv mit Schusswaffen, historisch angelegten Großgefechten, Koop gegen Untote und Extraction-Runden um wertvolle Beute bleibt kaum ein gemeinsamer Nenner außer dem Schießen selbst.

Das ist eine gute Nachricht, denn Shooter werden oft so behandelt, als müssten sie alle denselben großen Mehrspielertitel liefern. Die angekündigten Spiele zeigen dagegen: Entscheidend ist nicht nur, wie viele Waffen ein Spiel auffährt oder wie laut eine Schlacht wird. Entscheidend ist, welche Art von Spannung es erzeugen will und mit wem man sie erleben möchte.

Unterschiedliche Regeln schaffen unterschiedliche Erlebnisse

Besonders auffällig ist die Zahl der Spiele, die Gefahr nicht allein über direkte Duelle definieren. Marathon, Sand: Raiders of Sophie und Active Matter gehören zum Extraction-Bereich, doch ihre Ausgangslagen unterscheiden sich deutlich. In Marathon erkundet ein Team die verlorene Kolonie Tau Ceti IV, während rivalisierende Runner, Sicherheitskräfte und die Umgebung zur Bedrohung werden. Sand: Raiders of Sophie setzt seine Ressourcenjagd in eine Wüstenwelt und macht anpassbare Laufroboter zum wichtigen Teil des Wegs durch diese Umgebung. Active Matter verbindet das Sammeln eines seltenen Rohstoffs mit einer Zeitschleife und einer Zone, die Raum und Zeit verändert.

Keines dieser Spiele wirkt nach den vorliegenden Informationen wie ein einfacher Ersatz für das andere. Das ist für die PS5-Bibliothek wichtiger als der bloße Umstand, dass mehrere Extraction-Shooter erscheinen. Wer in solchen Spielen vor allem mit Freunden losziehen und Risiken abwägen möchte, sucht etwas anderes als jemand, der schnelle, klar abgegrenzte Runden erwartet. Schon die Frage, ob man Beute sichern kann oder alles verliert, verändert die Stimmung einer Partie.

Gerade deshalb sollte Vielfalt nicht mit Beliebigkeit verwechselt werden. Mehrere Spiele aus einem ähnlichen Bereich können sich gegenseitig unter Druck setzen. Sie müssen verständlich machen, weshalb sich ein Ausflug in ihre Welt lohnt. Ein interessanter Schauplatz, besondere Bewegungsmöglichkeiten oder ein eigenes Risiko-System sind dann nicht bloß Dekoration. Sie entscheiden darüber, ob ein Spiel im Gedächtnis bleibt.

Koop ist nicht immer nur gemeinsames Zielen

Auch bei den Team-Shootern zeigt sich 2026 kein einheitliches Bild. John Carpenter’s Toxic Commando stellt ein zusammengewürfeltes Söldnerteam gegen Untotenhorden und große Monster. Die einzelnen Figuren verfügen über eigene Fähigkeiten, weshalb Zusammenarbeit ausdrücklich zum Kern gehören soll. Projekt Z: Beyond Order setzt ebenfalls auf einen Vierertrupp, Charakterklassen und kombinierbare Fähigkeiten, verbindet das aber mit Zombies aus einem geheimen Kriegsprojekt und stark anpassbaren Waffen.

Bei Hell Let Loose: Vietnam wird Abstimmung noch größer gedacht. Sechs Karten, vier Modi und Schlachten mit 50 gegen 50 Spielern lassen wenig Raum für die Vorstellung, dass eine einzelne Person alles tragen kann. Dort sind organisierte Truppen und Guerillataktiken Teil des Szenarios. Teamwork ist also nicht nur ein Bonus für besonders engagierte Gruppen, sondern wahrscheinlich Voraussetzung, um überhaupt sinnvoll mitzuspielen.

Diese Unterschiede sind für Spielerinnen und Spieler praktischer, als eine allgemeine Liste mit „Koop-Shootern“ vermuten lässt. Ein kleiner Vierertrupp kann sich vertraut und direkt anfühlen. Eine große Schlacht verlangt dagegen mehr Aufmerksamkeit und Absprachen. Beides kann spannend sein, aber nicht unbedingt am selben Abend und nicht für dieselbe Gruppe.

Auch Einzelspieler bekommen eigene Gründe hinzusehen

Neben den großen Online-Runden stehen Titel, die deutlich stärker über Stil, Geschichte oder eine feste Kampagne funktionieren. High on Life 2 führt die Kopfgeldjäger-Geschichte fort und bringt erneut sprechende Waffen sowie ein Skateboard mit. Das wirkt bewusst schräg und setzt auf Humor statt auf militärischen Ernst.

Mouse: P.I. for Hire geht optisch einen ganz anderen Weg. Der Ego-Shooter um Privatdetektiv Jack Pepper orientiert sich an klassischen Cartoons der 1930er Jahre und verbindet diesen Stil mit einer Verschwörungsgeschichte. Warhammer 40,000: Boltgun 2 setzt wiederum auf Pixel-Optik, schnelle Einzelspieler-Action und zwei spielbare Figuren. Und Halo: Campaign Evolved ist als überarbeitetes und erweitertes Remake angekündigt, das erstmals eine PlayStation-Konsole erreicht und einen neuen spielbaren Prolog enthalten soll.

Diese Spiele müssen nicht beweisen, dass ein Shooter nur dann zählt, wenn er über Monate ständig neue Inhalte bekommt. Eine konzentrierte Kampagne, ein prägnanter Grafikstil oder ein klares Tempo können genauso ein Grund sein, sich auf ein Spiel einzulassen. Das gilt besonders dann, wenn man keine feste Gruppe hat oder nach einer langen Mehrspielerpartie lieber etwas spielt, das seinen eigenen Rhythmus vorgibt.

Historische Schauplätze verlangen einen anderen Blick

Zwei Ankündigungen stechen heraus, weil sie reale Kriege als Grundlage wählen. Gallipoli verlegt die Reihe von BlackMill Games an die Front im Nahen Osten des Ersten Weltkriegs. Geplant sind detaillierte Karten, Waffen, teamorientiertes Spiel und Crossplay. Hell Let Loose: Vietnam nimmt dagegen den Vietnamkrieg als Rahmen für seine großen Mehrspielerschlachten.

Solche Spiele können nicht allein über Kulissen funktionieren. Wenn Teamrollen, Gelände und Waffen eng mit dem historischen Szenario verbunden sind, beeinflusst das direkt, wie sich Gefechte spielen. Gleichzeitig ist Zurückhaltung wichtig: Reale Konflikte werden nicht interessanter, nur weil sie möglichst spektakulär dargestellt werden. Die Ankündigungen machen vor allem klar, dass sich diese Shooter von futuristischen Kolonien, Monsterzonen oder Zombie-Horden abheben wollen.

Am Ende ist genau diese breite Auswahl die eigentliche Stärke des PS5-Shooterjahrs 2026. Nicht jeder angekündigte Titel wird automatisch seine Versprechen erfüllen. Bei einigen stehen Termine fest, bei anderen bislang nur ein Zeitraum im Jahr. Doch das Angebot verteilt sich auf so verschiedene Arten von Action, dass ein einzelner großer Name nicht alles tragen muss. Für Spielerinnen und Spieler ist das die bessere Ausgangslage: mehr Möglichkeiten, ein Spiel zu finden, das zum eigenen Tempo, zur eigenen Gruppe und zur gewünschten Art von Spannung passt.

Weiter im Gespräch

Drei Stimmen. Ein gemeinsamer Spielstand.

REDEN WIR
ÜBER GAMES.

News mit Kontext, Tests mit Haltung und Geschichten aus ganz unterschiedlichen Spielwelten.

Alle Artikel