Wolverine mit ausgefahrenen Krallen, ein Krieger mit Schwert vor orangener Sonne und ein Schwertkämpfer mit Katana
Meinung

Warum der volle PlayStation-September eine Auswahl verlangt

Von Ramona 5 Min. Lesezeit

Der September 2026 bringt auf PlayStation auffällig viele große und kleine Neuerscheinungen. Gerade deshalb ist weniger Hektik und mehr eigene Auswahl die bessere Haltung.

Der September 2026 zeigt ein Problem, das mit jeder großen Spiele-Saison bekannter wird: Ein voller Releasekalender ist nicht automatisch ein guter Releasekalender. Auf PS5 und teilweise auch PS4 erscheinen innerhalb weniger Wochen so viele unterschiedliche Spiele, dass Aufmerksamkeit selbst für Interessierte knapp wird.

Das ist keine Klage darüber, dass es zu viele Spiele gibt. Vielfalt ist gut, gerade wenn neben großen Marken auch kleinere oder ungewöhnlichere Projekte einen Platz bekommen. Aber ein Monat, in dem mit The Blood of Dawnwalker, Onimusha: Way of the Sword und Marvel’s Wolverine gleich mehrere auffällige Actionspiele antreten, verlangt Spielern eine Entscheidung ab. Und diese Entscheidung trifft nicht nur das eigene Zeitkonto, sondern auch die Spiele, die im Kalender weniger laut wirken.

Der Kalender wird zur Konkurrenz um Zeit

Der September beginnt direkt mit zwei Spielen, die auf eine ähnliche Aufmerksamkeit hoffen dürften. The Blood of Dawnwalker erscheint am 3. September für PS5 und setzt auf ein düsteres Europa des 14. Jahrhunderts, Vampire sowie eine Handlung, die von Entscheidungen geprägt sein soll. Nur einen Tag später folgt Onimusha: Way of the Sword für PS5. Capcoms Rückkehr der Reihe konzentriert sich auf den Samurai Miyamoto Musashi, Genma-Monster und Kämpfe mit dem Oni-Handschuh.

Beide Spiele bringen sehr verschiedene Welten mit. Trotzdem konkurrieren sie um denselben begrenzten Platz im Alltag: die Abende, an denen man wirklich länger spielen kann, die Gespräche unter Freunden und die Geduld, sich in ein neues Kampfsystem oder eine neue Geschichte einzuarbeiten. Wer sich Anfang September auf Coens Konflikt zwischen Menschlichkeit und Monstertum einlässt, wird vermutlich nicht sofort danach Zeit für Musashis Kampf um Kyoto haben.

Das gilt erst recht für Marvel’s Wolverine, das am 15. September als PS5-Exklusivspiel erscheint. Insomniac Games wechselt nach drei Marvel’s Spider-Man-Spielen zu Logan. Sein neues Abenteuer soll ihn auf der Suche nach Antworten zu Geheimnissen aus seiner Vergangenheit führen und setzt laut den bekannten Angaben auf ein lineares Actionspiel mit einem brutalen Kampfstil.

Allein diese drei Veröffentlichungen wären schon ein starker Monat. Doch sie stehen nicht einzeln da. Am 15. September erscheinen auch RuneScape: Dragonwilds, TCG Card Shop Simulator und Train Sim World 7. Später folgen etwa Dune: Awakening und Graveyard Keeper 2 am 22. September sowie CONTROL Resonant, Silent Hill: Townfall und EA Sports FC 27 in der letzten Septemberwoche. Selbst wer nur zwei Genres mag, kann schnell mehr auf der Merkliste haben, als realistisch spielbar ist.

Große Namen machen die Auswahl nicht leichter

Die naheliegende Reaktion lautet: Dann konzentriert man sich eben auf die bekannten Reihen. Genau das ist aber für einen solchen Monat nicht unbedingt die beste Lösung. Große Namen bekommen ohnehin Aufmerksamkeit, weil Fans ihre Rückkehr erwarten oder weil die Marke sofort verständlich macht, was ungefähr geboten wird.

Onimusha kehrt nach 20 Jahren seit dem letzten Hauptteil auf PlayStation 2 zurück. Marvel’s Wolverine bringt eine berühmte Comicfigur in ein neues Spiel von einem Studio, das bereits mehrere Marvel-Abenteuer veröffentlicht hat. Dazu kommen Namen wie Dune, Silent Hill, The Witcher 3: Wild Hunt – Remastered, Minecraft Dungeons 2, NHL 27 oder EA Sports FC 27. Sie alle bringen einen Wiedererkennungswert mit, den ein neuer Titel erst aufbauen muss.

Das ist nicht falsch und auch nicht unfair im moralischen Sinn. Bekannte Reihen existieren, weil Menschen sie mögen und weiterverfolgen wollen. Nur wird der Blick auf den Monat schnell sehr eng, wenn der Kalender vor allem als Rennen zwischen den größten Marken gelesen wird. Dann verschwinden Spiele wie Honeycomb: The World Beyond, Flamecraft, Woodo, Rivage oder TOEM 2 fast automatisch aus der Wahrnehmung, obwohl sie für einzelne Spieler vielleicht viel besser passen würden als der nächste große Actiontitel.

Ein Releasekalender sollte deshalb nicht nur beantworten: Was ist das größte Spiel? Die bessere Frage ist oft: Wofür habe ich gerade wirklich Zeit und worauf habe ich tatsächlich Lust? Wer nach einem langen Spiel mit vielen Entscheidungen sucht, wird andere Prioritäten setzen als jemand, der lieber schnelle Sportpartien, Aufbauspiele oder ein kürzeres Abenteuer möchte. Der volle September macht diese Unterschiede sichtbarer.

Nicht jeder Termin muss zum Starttag werden

Der wichtigste Gedanke bei so einem Monat ist vielleicht überraschend einfach: Ein Spiel wird nicht schlechter, wenn man es vier Wochen später beginnt. Trotzdem erzeugen feste Termine oft das Gefühl, man müsse am ersten Tag dabei sein, um nichts zu verpassen. Besonders bei Gesprächen über große Neuerscheinungen kann das schnell passieren.

Für Spieler ist es sinnvoller, die eigene Liste bewusst klein zu halten. Vielleicht passt im September nur ein großes Actionspiel. Vielleicht ist gerade eher Raum für ein Spiel wie Graveyard Keeper 2 oder Two Point Hospital: Full Health Collection. Vielleicht interessiert man sich besonders für Dune: Awakening, während Marvel’s Wolverine erst später an der Reihe ist. Keine dieser Entscheidungen bedeutet, einen wichtigen Release zu ignorieren.

Auch für Spiele selbst wäre etwas mehr Geduld im Publikum hilfreich. Ein Titel, der nicht sofort überall besprochen wird, hat nicht automatisch versagt. Gerade in einem Monat mit zahlreichen Veröffentlichungen kann ein späterer Blick sogar fairer sein: Dann steht nicht mehr nur der erste Eindruck im Mittelpunkt, sondern die Frage, ob ein Spiel dauerhaft trägt.

September 2026 ist ein Test für die eigenen Prioritäten

Der September bietet auf PlayStation eine auffällige Mischung aus Rückkehrern, Fortsetzungen, Sportspielen, Simulationen, Horror und neuen Namen. Das ist zunächst einmal eine gute Nachricht. Niemand muss sich über einen leeren Monat beklagen, und für verschiedene Vorlieben gibt es sichtbar mehr als nur ein oder zwei Optionen.

Aber genau deshalb sollte die Auswahl nicht von Lautstärke bestimmt werden. Marvel’s Wolverine wird wegen Figur, Studio und seinem Platz als PS5-Exklusivspiel viel Aufmerksamkeit erhalten. Onimusha: Way of the Sword bringt die lange Pause einer bekannten Reihe mit. The Blood of Dawnwalker will dagegen mit einer entscheidungsgeprägten Geschichte und seinem Vampir-Setting überzeugen. Diese Spiele dürfen nebeneinander existieren, ohne dass man sie alle sofort spielen muss.

Ein überfüllter Monat wird erst dann anstrengend, wenn jede Neuerscheinung wie eine Pflicht behandelt wird. September 2026 ist daher weniger ein Wettlauf darum, möglichst viele Titel abzuhaken. Er ist eine gute Erinnerung daran, Spiele wieder nach dem eigenen Interesse auszusuchen und ihnen dann die Zeit zu geben, die sie brauchen.

Weiter im Gespräch

Drei Stimmen. Ein gemeinsamer Spielstand.

REDEN WIR
ÜBER GAMES.

News mit Kontext, Tests mit Haltung und Geschichten aus ganz unterschiedlichen Spielwelten.

Alle Artikel