007 First Light will nicht einfach nur eine bekannte Filmfigur in ein Actionspiel setzen. Es baut James Bonds Weg zum Agenten als Abfolge von Situationen auf, in denen er beobachten, improvisieren, bluffen und notfalls sehr laut werden muss. Gerade diese Mischung passt erstaunlich gut zur Figur: Ein Einsatz kann mit einem stillen Umweg beginnen und mit einer explodierenden Basis enden.
Das Spiel trifft damit einen wichtigen Teil der Bond-Fantasie. Es geht nicht nur darum, Gegner auszuschalten, sondern darum, einen Weg durch bewachte Orte zu finden. Zugänge müssen entdeckt, Wachen abgelenkt und Sicherheitsmaßnahmen umgangen werden. Gleichzeitig bleibt 007 First Light ein deutlich geführtes Action-Adventure. Wer sich eine offene Welt oder völlig freie Missionen erhofft, bekommt sie hier nicht.
Der beste Bond ist nicht immer der lauteste
Schon der Auftakt setzt den Ton. Der junge Bond gehört zunächst noch den Royal Marines an und gerät bei einer Bergungsmission in einen Angriff. Nach einem Hubschrauberabsturz muss er sich durch ein Lager der Angreifer bewegen, Teammitglieder befreien und einen Ausweg finden. Das Spiel erklärt dabei früh Deckung und Schleichen, lässt die Lage aber nicht lange wie eine reine Übung wirken.
Schleichen ist mehr als eine nette Alternative zu Schlägen und Schüssen. Häufig ist es sinnvoller, Wachen zu umgehen, sie von hinten lautlos auszuschalten oder mit einer Ablenkung aus ihrem Posten zu locken. Das erinnert an die Art von Missionen, in denen man sich einen Plan zurechtlegt, statt nur dem nächsten Zielmarker zu folgen.
Besonders passend ist der Instinkt. Ist genug davon gesammelt, kann Bond bei einer Entdeckung eine glaubwürdige Ausrede einsetzen. Er kann sich etwa als Mitarbeiter einer Behörde ausgeben und so einen Moment Zeit gewinnen. Diese Bluff-Möglichkeit ist nicht bloß ein Zusatz für Fans: Sie macht aus einem Fehler nicht sofort einen gescheiterten Schleicheinsatz. Gleichzeitig passt sie zu einem Bond, der selbst unter Druck noch einen Satz parat hat.
Die Missionen verlangen außerdem, Räume und Sicherheitspersonal genauer zu lesen. Lärm kann Wachen von ihrem Platz wegziehen, und gesuchte Zugänge oder Codes liegen nicht einfach immer offen herum. Hier ist die Nähe zu IO Interactives Hitman-Erfahrung deutlich zu spüren. 007 First Light übernimmt aber nicht dessen komplette Offenheit. Es nutzt solche Ideen für klar abgegrenzte Agentenmissionen, die schneller vorangehen und stärker auf spektakuläre Momente zusteuern.
Gute Werkzeuge, aber zu wenig Widerstand
Q stattet Bond vor Missionen mit Gadgets aus, die diese Herangehensweise sinnvoll ergänzen. Welche Ausrüstung mitgenommen wird, darf vor einem Kapitel ausgewählt werden. Das gibt den Einsätzen einen kleinen taktischen Vorlauf, ohne daraus ein kompliziertes Inventarsystem zu machen.
Die Uhr kann etwa Objekte hacken und Überwachungskameras abschalten. Das Handy feuert Pfeile ab, die Gegner desorientieren. Ein Rauchwerfer schafft wiederum die Deckung, die für einen unbemerkten Weg durch einen Bereich gebraucht wird. Diese Geräte haben vor allem deshalb einen Wert, weil sie unterschiedliche Lösungen für dieselbe unangenehme Situation anbieten. Wer entdeckt wurde, muss also nicht zwingend sofort mit den Fäusten weitermachen.
Genau dort liegt aber auch die größte Schwäche des Spiels. Die Gegner reagieren auf dem leichtesten von drei Schwierigkeitsgraden auffällig nachsichtig. Sie bemerken nicht zuverlässig, wenn in unmittelbarer Nähe ein Kollege ausgeschaltet wird. Selbst laute Aktionen wie das Eintreten einer Tür können folgenlos bleiben. Dadurch verliert das Schleichen einen Teil seiner Spannung.
Das ist schade, denn ein Spiel mit Ablenkungen, Tarnung und Bluff lebt davon, dass jede unvorsichtige Bewegung etwas kosten kann. Wenn Wachen zu wenig mitbekommen, werden die vielen Möglichkeiten schnell zu bequemen Abkürzungen. Für Spielerinnen und Spieler, die ohne lange Rückschläge durch die Geschichte möchten, kann das angenehm sein. Wer aus jedem Raum ein kleines Agentenrätsel machen will, dürfte sich mehr Aufmerksamkeit und Konsequenzen wünschen.
Auch die Kämpfe sind bewusst einfach gehalten. Bond kann schlagen, treten, ausweichen, Angriffe abwehren und Gegner schleudern. Bei Schusswechseln hilft ein Konzentrationsmodus, der die Zeit verlangsamt. Munition bleibt allerdings knapp. Das verhindert zumindest, dass sich jede brenzlige Lage in ein gewöhnliches Schießspiel verwandelt. Wenn die Patronen ausgehen, gewinnen Fäuste, Deckung und Gadgets automatisch wieder an Bedeutung.
Einige Abschnitte werden durch Sequenzen ergänzt, bei denen nur die eingeblendete Taste rechtzeitig gedrückt werden muss. Solche Momente fügen sich in den filmischen Anspruch ein, lassen dem Spiel aber natürlich weniger Raum für eigene Entscheidungen.
Erst die Flucht, dann der Titelsong
007 First Light versteht, dass Bond nicht durch ständige Ernsthaftigkeit funktioniert. Der Beginn entwickelt sich von einer Rettungsaktion zu einer großen Flucht, die schließlich in einer gewaltigen Explosion endet. Erst danach setzt der Titelsong von Lana Del Rey und David Arnold ein. Dieser Übergang wirkt wie eine bewusste Verneigung vor der Filmreihe und gibt dem Spiel früh seinen eigenen Bond-Moment.
Auch später setzt die Geschichte auf bekannte Bausteine, ohne Bond schon zu Beginn als fertigen Geheimagenten zu zeigen. Im MI6-Hauptquartier trifft er auf M, Moneypenny und Q. Eine kurze Grundausbildung führt zu den ersten Einsätzen, während die Handlung Bond schrittweise in diese Welt hineinzieht.
Die Schauplätze wechseln dabei deutlich. Eine größere Mission führt in ein Luxushotel, später geht es zu einem Flugstartplatz, durch eine Wüste und über einen zwielichtigen Marktplatz. Auch Vietnam gehört zu den Orten der Geschichte. Lenny Kravitz tritt als digital dargestellter Schwarzmarkthändler auf. Diese Wechsel helfen dem Spiel, nicht zu lange bei einem einzigen Agentenklischee stehen zu bleiben.
Zu Bond gehören außerdem Verfolgungen. Ein Sportwagen rast auf einer abgegrenzten Strecke durch den Verkehr, später kommt ein Schnellboot zum Einsatz. Die Fahrsequenzen sind keine offene Welt und wollen es auch nicht sein. Sie dienen vor allem dazu, das Tempo zwischen den Schleichpassagen anzuheben.
Die englische Sprachausgabe ist gelungen, deutsche Untertitel sind vorhanden. Eine deutsche Synchronisation gibt es jedoch nicht. Bei einer so eng mit Filmstimmen verbundenen Figur kann sich das für einen Teil des deutschen Publikums wie ein spürbarer Verzicht anfühlen.
Eine klare Richtung für Bonds erste Schritte
007 First Light funktioniert am besten, wenn es seinen Spielern kleine Freiheiten innerhalb eines klaren Abenteuers gibt. Die Gadgets, Ablenkungen und Bluff-Möglichkeiten machen Bond glaubwürdiger als ein reines Spiel über Schusswechsel. Dazu kommen Schauplatzwechsel, Verfolgungen und große Actionbilder, die sich nicht um Realismus bemühen müssen, um zur Reihe zu passen.
Seine leichten Gegner nehmen dem Ganzen jedoch gerade dort etwas Kraft, wo das Spiel besonders interessant wird. Schleichen bleibt angenehm und unkompliziert, aber nicht immer wirklich spannend. Wer vor allem eine flott erzählte Bond-Geschichte mit Werkzeugen zum Ausprobieren sucht, findet hier viel von dem, was einen Agenteneinsatz ausmacht. Wer die genaue Planung und die strenge Reaktion eines Hitman erwartet, sollte die Unterschiede im Blick behalten.