2026 wirkt bei Rennspielen nicht spannend, weil einfach viele Titel angekündigt sind. Spannend ist eher, wie unterschiedlich diese Spiele überhaupt sein wollen. Wer nur an Rundkurse, Ideallinie und saubere Bremspunkte denkt, sieht nur einen Teil davon.
Das kommende Jahr zeigt ziemlich gut, dass Rennspiele heute nicht mehr auf eine einzige Idee passen müssen. Simulationen, Arcade-Racer, Crash-Chaos, offene Welten, Offroad-Erkundung und sogar Science-Fiction-Rennen stehen nebeneinander. Manche davon erscheinen direkt für PlayStation 5, bei anderen folgt die PS5-Version später. Trotzdem ist das Bild klar: Das Genre fährt gerade nicht in eine Richtung, sondern auf mehreren Spuren gleichzeitig.
Für mich ist genau das die beste Nachricht. Nicht jedes Rennspiel muss beweisen, dass es die realistischste Reifenhaftung oder die größte Fahrzeugliste hat. Manche Titel gewinnen gerade dadurch, dass sie eine andere Frage stellen: Willst du kämpfen, sammeln, erkunden, driften, zerstören oder einfach mit Freunden auf der Couch Spaß haben?
Rennspiele erzählen inzwischen über ihre Systeme, was sie sein wollen
Ride 6 ist ein gutes Beispiel für die klassische Seite des Genres, aber selbst dort bleibt es nicht nur bei „mehr Motorräder, mehr Strecken“. Der neue Teil soll über 340 lizenzierte Motorräder von 21 Herstellern bieten und auf 45 Strecken fahren lassen. Dazu kommen bekannte Orte wie Monza und die Isle of Man. Das klingt erst einmal nach einem sehr klaren Simulationsversprechen.
Interessant wird es aber bei den neuen Rahmenideen. Der RIDE-Fest-Karrieremodus setzt auf ein Festival-System mit offenem Fortschrittsbaum. Außerdem gibt es Rennen gegen reale Motorsport-Namen wie Casey Stoner, Troy Bayliss und Guy Martin. Dazu verlässt die Reihe mit Dirt-Tracks und Kategorien wie Maxi Enduro oder Bagger-Bikes erstmals den reinen Asphalt. Ride 6 bleibt also nicht nur bei der sauberen Linie, sondern öffnet sich etwas stärker für Abwechslung innerhalb seiner eigenen Regeln.
Tokyo Xtreme Racer macht fast das Gegenteil. Dort geht es nicht um normale Rundkurse, sondern um ein frei befahrbares Netz aus Tokios Schnellstraßen bei Nacht. Der Reboot setzt wieder auf Duelle gegen viele einzelne Rivalen. Besonders wichtig ist das SP-System: Nicht der klassische Zieleinlauf entscheidet, sondern ein Balken, der im direkten Fahrduell sinkt. Das fühlt sich vom Konzept her näher an einem Kampf an als an einem normalen Rennen.
Genau solche Systeme zeigen, wie viel Persönlichkeit ein Rennspiel haben kann. Zwei Spiele können beide Autos oder Motorräder haben und trotzdem völlig anders funktionieren. Das eine baut Spannung über Präzision und Fortschritt auf, das andere über Rivalen, Druck und das Gefühl, nachts jemanden auf der Autobahn abzuschütteln.
Zerstörung ist mehr als ein kaputtes Auto
Dann gibt es die Spiele, bei denen ein sauberer Wagen fast schon langweilig wäre. Carmageddon: Rogue Shift und Wreckfest 2 stehen für eine Seite des Genres, die Kollisionen nicht als Fehler behandelt, sondern als Kern des Spiels.
Carmageddon: Rogue Shift bringt den Combat-Racer zurück und setzt auf Zerstörung, Zombies, mutierte Bosse und schwere Kriegsmaschinen. Das neue Schadensmodell soll Fahrzeuge in Echtzeit verformen, Teile abreißen lassen und Trümmer auf der Strecke liegen lassen. Dazu kommen Roguelike-Elemente mit zufälligen Upgrades und Modifikatoren, die Events unberechenbarer machen sollen.
Wreckfest 2 klingt dagegen weniger abgedreht, aber nicht weniger hart. Bugbear Entertainment nutzt eine neue Engine, damit Metall, Kollisionen und liegenbleibende Trümmer noch stärker auffallen. Der Kern bleibt Full-Contact-Racing und Destruction-Derby. Dazu soll es einen größeren Karrieremodus geben, mit Rundrennen, Kreuzungs-Crashs und Spezial-Events.
Das ist wichtig, weil Rennspiele hier eine andere Art von Können verlangen. Du musst nicht nur schnell fahren. Du musst auch einschätzen, wann ein Rempler hilft, wann er dich selbst rausnimmt und wie viel dein Auto noch aushält. Zerstörung ist dann nicht nur Effekt, sondern eine zweite Strecke auf der Strecke.
Arcade kommt nicht nur aus Nostalgie zurück
Bei iRacing Arcade und Screamer steckt viel Rückblick auf die 90er drin. Trotzdem wäre es zu einfach, diese Spiele nur als Nostalgie abzulegen.
iRacing Arcade kommt von einer Marke, die eigentlich für ernsthafte Motorsport-Simulation bekannt ist. Der Ableger geht aber bewusst in eine andere Richtung: bunter Retro-Look, hohes Tempo, starke Drifts und Power-ups wie Blitze oder Turbo-Boosts. Mehr als 20 Strecken sind angekündigt. Besonders schön ist, dass neben Online-Rennen auch Splitscreen mit bis zu vier Spielern geplant ist.
Screamer greift ebenfalls die Arcade-Schiene auf. Der Reboot wird von Milestone verantwortet, also von den ursprünglichen Schöpfern. Statt Simulationsballast sollen Tempo, Windschatten, Drifts und Boost im Mittelpunkt stehen. Dazu kommen ein Story-Modus, Troy Baker als bekannte Stimme, Anime-Anleihen, Cel-Shading-Look und Synthwave-Musik.
Arcade bedeutet hier nicht einfach „weniger anspruchsvoll“. Es bedeutet eher, dass das Spielgefühl sofort lesbar sein soll. Du siehst eine Lücke, gehst in den Drift, füllst Boost und wirst direkt belohnt. Das kann genauso spannend sein wie eine perfekte Runde in einer Simulation, nur eben mit einem anderen Rhythmus.
Nicht jedes Rennspiel muss schneller werden
Am stärksten fällt Over the Hill aus dem üblichen Raster. Das neue Projekt der Art-of-Rally-Macher setzt nicht auf Asphalt, Zeitenjagd und laute Motoren, sondern auf Offroad-Erkundung. In Geländewagen aus den 60er- bis 80er-Jahren geht es durch Landschaften mit Wetterwechseln, Tag-Nacht-Zyklus und verformbarem Terrain. Ein Zeitlimit gibt es nicht. Koop mit bis zu drei Freunden ist geplant.
Das ist für ein Rennspieljahr fast der wichtigste Gegenpol. Over the Hill erinnert daran, dass Fahrzeuge in Spielen nicht nur Werkzeuge zum Gewinnen sein müssen. Sie können auch Werkzeuge zum Entdecken sein. Schlamm, Steigungen und Wetter ersetzen dann die klassische Ideallinie.
Auch andere angekündigte Spiele verschieben den Fokus. Gear.Club Unlimited 3 setzt unter anderem auf Japan, Luxusmarken, über 50 Kurse, eine eigene Werkstatt und einen Autobahnmodus für sehr hohe Geschwindigkeiten auf japanischen Schnellstraßen. Star Wars: Galactic Racer geht noch weiter weg vom normalen Motorsport und verlegt Rennen in die Unterwelt der Galactic League, mit Speeder-Bikes, Landspeedern und einem illegalen Wettbewerb im Outer Rim.
Solche Spiele zeigen, dass Rennspiele längst nicht nur danach sortiert werden sollten, ob sie realistisch oder unrealistisch sind. Manchmal geht es um Sammeln. Manchmal um eine Welt. Manchmal um eine Fantasie, die mit echten Strecken gar nichts mehr zu tun haben muss.
Die offene Frage ist nicht, welches Spiel gewinnt
Natürlich stehen bei einigen Titeln noch Fragen im Raum. Bei Forza Horizon 6 werden echte Gameplay-Details erst für Anfang 2026 erwartet. Bekannt ist, dass das Horizon-Festival nach Japan geht, mit Tokio, dem Mount Fuji und ländlicheren Gegenden. Die PS5-Version soll später folgen, während der Start 2026 für Xbox Series X/S und PC geplant ist. Auch bei anderen Spielen hängt viel daran, wie gut die angekündigten Systeme am Ende zusammenpassen.
Trotzdem lässt sich schon jetzt etwas erkennen: 2026 könnte für Rennspielfans nicht deshalb stark werden, weil alle dasselbe besser machen. Es könnte stark werden, weil fast jeder eine andere Ecke des Genres bedient.
Wenn du 2026 nach einem Rennspiel suchst, ist die wichtigste Frage deshalb vielleicht nicht: „Welches ist das größte?“ Sondern: „Welche Art von Fahren will ich gerade?“ Präzise Motorradrennen, nächtliche Duelle, Couch-Arcade, Blechschaden, Offroad-Ruhe oder offene Japan-Welt. Genau diese Auswahl macht das Jahr so interessant.