Ein Römer in Toga blickt auf einen Tempel, eine wohlhabende Stadt mit Lavendelfeldern und rustikale Siedlungen mit Reitern.
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Anno 117: Pax Romana im Test: Starker Aufbau, schwache Technik

Von Ramona 6 Min. Lesezeit

Anno 117: Pax Romana macht Stadtplanung im Römischen Reich erstaunlich fesselnd. Doch die getestete PS5-Version leidet unter zu vielen technischen Fehlern.

Anno 117: Pax Romana versteht sehr gut, warum Aufbauspiele so schwer loszulassen sind. Eine Straße wird gepflastert, eine Produktionskette schließt sich, ein neuer Inselposten liefert endlich den fehlenden Rohstoff. Kurz darauf fordert die wachsende Stadt schon wieder mehr Aufmerksamkeit. Dieses stetige Wechselspiel aus Planung, Reaktion und Ausbau trägt den neuen Serienteil über viele Stunden.

Umso bedauerlicher ist, dass die getestete PlayStation-5-Version diesen Sog immer wieder selbst bremst. Anno 117 verbindet ein starkes, angenehm verzahntes Aufbausystem mit einem römischen Setting, das mehr ist als bloße Kulisse. Gleichzeitig trüben zahlreiche technische Fehler den Eindruck spürbar. Das Ergebnis ist ein sehr gutes Strategiespiel, das auf Konsole noch nicht die Verlässlichkeit mitbringt, die seine eigenen komplexen Systeme brauchen.

Eine Stadt wächst nie nur in eine Richtung

Der Einstieg führt als unerfahrener Statthalter in eine verfallene Kolonie in Latium. Die Kampagne erklärt dabei schrittweise, wie aus wenigen Häusern eine größere Stadt wird. Sie bleibt erzählerisch eher zurückhaltend und funktioniert vor allem als Einführung in die vielen Aufgaben, die später gleichzeitig auf dem Tisch liegen.

Nach einem Machtwechsel geht es nach Albion, in den raueren Norden des Reiches. Dort baut man erneut auf, diesmal unter anderen Bedingungen und mit keltischen Nachbarn, die dem neuen Kaiser feindlich gegenüberstehen. Der Wechsel der Schauplätze hat spielerisch Gewicht: Im Endlosmodus lässt sich direkt zwischen Latium und Albion wählen. Das ist eine sinnvolle Entscheidung, weil die Regionen nicht nur anders aussehen, sondern andere Anforderungen an die Planung stellen.

Die ungefähr 20 Stunden lange Kampagne ist deshalb vor allem dann nützlich, wenn man die Grundlagen in Ruhe lernen möchte. Der Endlosmodus dürfte für viele jedoch der Ort sein, an dem Anno 117 seine größte Stärke zeigt: Es geht nicht darum, eine Siedlung einfach nur größer zu machen. Jede Erweiterung bringt neue Abhängigkeiten mit sich.

Mehr Häuser bedeuten mehr Arbeitskräfte, aber auch mehr Bedürfnisse. Anspruchsvollere Gebäude verlangen nach zusätzlichen Materialien. Neue Bevölkerungsstufen erwarten wiederum bestimmte Waren und Dienstleistungen. Der Aufbau bleibt dadurch in Bewegung. Eine Lösung, die gerade noch funktioniert hat, muss bald erweitert oder angepasst werden.

Probleme gehören zum Planen dazu

Besonders gelungen ist, wie konkret Anno 117 die Folgen von Wachstum sichtbar macht. Backstuben können etwa die Brandgefahr in ihrer Umgebung erhöhen. Schweinefarmen steigern das Krankheitsrisiko. Werden Bedürfnisse ignoriert, kann die Zufriedenheit sinken und Aufstände drohen. Feuerwachen, Krankenhäuser und Stadtwachen sind damit keine Dekoration, sondern Teil eines funktionierenden Stadtplans.

Kleinere Bauten wie Brunnen oder Wachtürme können diese großen Einrichtungen ergänzen. Das gibt der Platzierung mehr Bedeutung. Es genügt nicht, ein Gebäude irgendwann auf die Insel zu stellen. Wichtig ist auch, wo es steht und welche Bereiche es erreicht.

Später wird aus dieser lokalen Planung ein Netzwerk über mehrere Inseln. Kaufleute in Albion verlangen beispielsweise nach Seife. Dafür wird Lavendel benötigt, der auf der Ausgangsinsel nicht wächst. Also braucht es einen geeigneten Außenposten und eine Handelsroute. Genau in solchen Momenten zeigt sich, wie stimmig die Wirtschaft aufgebaut ist: Ein einzelner Wunsch der Bevölkerung kann eine ganze Kette aus Erkundung, Produktion und Handel auslösen.

Denare bleiben dabei die Grundlage fast jeder Entscheidung. Steuern und Handelsbeziehungen finanzieren den Ausbau, während wachsende Ansprüche zugleich neue Kosten verursachen. Anno 117 fordert keine permanenten Notfallmaßnahmen, aber es lässt auch selten lange Leerlauf entstehen. Wer gern beobachtet, wie viele kleine Systeme zusammen eine lebendige Stadt formen, findet hier einen sehr motivierenden Kreislauf.

Entscheidungen mit Nebenwirkungen

Zwei neue Bereiche geben dem Aufbau zusätzliche Richtung. Zum einen wählt jede Insel eine Schutzgottheit, deren Verehrung Boni bringt. Gerade in Albion hängt daran auch die Frage, ob sich eine Siedlung stärker an Rom oder am Keltentum orientiert.

Zum anderen wird Wissen über bestimmte Gebäude erzeugt und in einem umfangreichen Talentbaum eingesetzt. Militär, Wirtschaft und Zivilgesellschaft bilden dessen drei Zweige. Diese Forschung bringt Vorteile, verlangt aber gelegentlich einen Preis. Wer in Albion einen Sumpf trockenlegt, gewinnt neues Land, nimmt den Siedlern dort aber die Möglichkeit, Aale zu fischen. Das kann wiederum ihre Zufriedenheit beeinflussen.

Diese Abwägungen sind der Kern des Spiels. Anno 117 belohnt nicht einfach möglichst schnelles Bauen, sondern eine Stadt, deren Versorgung, Sicherheit und Wirtschaft zusammenpassen. Dass Straßen nach und nach befestigt werden, Häfen von Holz zu Stein wechseln und aus kleinen Siedlungen große Städte entstehen, sorgt zusätzlich für ein spürbares Gefühl von Fortschritt.

Die Controller-Steuerung auf PS5 braucht eine kurze Eingewöhnung, funktioniert anschließend aber gut. Das ist bei einem Spiel mit vielen Menüs, Gebäuden und Produktionswegen wichtig. Die Bedienung steht dem Planen nicht dauerhaft im Weg und erlaubt es, die eigenen Inseln sinnvoll zu organisieren.

Krieg ist vorhanden, aber nicht die stärkste Seite

Wenn Diplomatie nicht reicht, kann der Statthalter Kasernen bauen, Soldaten anwerben und gegnerischen Siedlungen den Krieg erklären. Dafür müssen auch Waffen und Rüstungen produziert werden. Kämpfe finden sowohl an Land als auch auf dem Wasser statt und gehören optisch wie akustisch zu den auffälligeren Momenten des Spiels.

Computergesteuerte Gegner nutzen dabei teils clevere Manöver, um den eigenen Truppen Schwierigkeiten zu bereiten. Im späteren Verlauf können Konfrontationen aber zu oft in Materialschlachten münden. Das Militär ergänzt den Aufbau daher ordentlich, erreicht aber nicht dieselbe Feinheit wie Handel, Versorgung und Stadtentwicklung.

Für Spielerinnen und Spieler, die vor allem friedlich wirtschaften und gestalten möchten, ist das kein großes Problem. Anno 117 hat genug andere Aufgaben, um eine Insel über lange Zeit interessant zu halten. Wer strategische Gefechte als gleich starken zweiten Pfeiler erwartet, sollte die Erwartungen dagegen etwas dämpfen.

Die PS5-Version braucht dringend Pflege

Latium und Albion sehen hervorragend aus. Wasserreflexionen, Wettereffekte und der Tag-Nacht-Zyklus geben beiden Regionen eine eigene Stimmung. Die mediterrane Pracht von Latium steht neben dem rustikaleren, regnerischen Albion, ohne dass einer der Schauplätze weniger liebevoll wirkt. Auch der Soundtrack und die deutschen Sprecher tragen viel zur Atmosphäre bei.

Leider stehen diesen Stärken auf PS5 wiederholt technische Probleme gegenüber. Im Test traten Clipping-Fehler, aufploppende Objekte, verspätet ladende Texturen, kleinere Ruckler und Soundaussetzer auf. Dazu kamen Anzeige- und Übersetzungsfehler. Besonders ärgerlich: Eine Quest ließ sich zwischenzeitlich nicht abschließen.

Einzelne dieser Fehler wären noch leichter zu verzeihen. In ihrer Häufung stören sie aber ausgerechnet ein Spiel, das Konzentration und langfristige Planung verlangt. Wenn eine wachsende Stadt ohnehin viele Entscheidungen fordert, sollten Technik und Darstellung verlässlich mitspielen. Ubisoft Mainz muss hier nachbessern.

Anno 117: Pax Romana hat trotzdem ein starkes Fundament. Die römische Welt trägt die Aufbauidee überzeugend, Albion und Latium sorgen für unterschiedliche Ausgangslagen, und die verzahnten Bedürfnisse der Bevölkerung machen fast jede Ausbauentscheidung interessant. Wer auf PS5 ein Auge zudrücken kann, bekommt ein Aufbauspiel, das Zeit erstaunlich schnell vergehen lässt. Die Technik verhindert jedoch, dass diese sehr gute Grundlage schon jetzt so souverän wirkt, wie sie es verdient hätte.

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