Beast of Reincarnation ist für Game Freak ein ungewöhnlicher Schritt. Statt Taschenmonster, Sammeln und Arenen gibt es hier ein Action-RPG in einem überwucherten Japan des Jahres 4026. Die Welt ist von einer Seuche gezeichnet. Menschen sind verschwunden, in künstliche Körper geflüchtet oder zu gefährlichen Wesen geworden.
Das klingt erst einmal nach vielen bekannten Zutaten. Auch die Vergleiche zu NieR:Automata und Stellar Blade drängen sich schnell auf: eine eher kühle Heldin, eine kaputte Zukunft, melancholische Musik und große Fragen über Menschsein. Der wichtigste eigene Punkt des Spiels ist aber nicht diese Welt. Es ist Kuu, Emmas Hund.
Kuu ist nicht nur ein süßer Begleiter neben der Hauptfigur. Er verändert, wie Kämpfe funktionieren, wie Erkundung belohnt wird und warum manche ruhige Szene mehr hängen bleibt als die eigentliche Hauptgeschichte. Genau dadurch wird Beast of Reincarnation spannender, als es auf dem Papier vielleicht klingt.
Kuu ist mehr als ein Begleiter
Emma ist eine Läuterin. Sie trägt die Seuche in sich, kann aber trotzdem weiterleben. Ihre Aufgabe ist es, infizierte Monster zu vernichten. Eines Tages soll sie verhindern, dass die Bestie der Wiedergeburt zurückkehrt, ein extrem mächtiges Wesen, das die Welt zerstören könnte.
Das Spiel stellt dabei Fragen, die man aus anderen düsteren Action-RPGs schon kennt. Ist Emma wirklich noch ein Mensch, obwohl die Seuche in ihr steckt? Was unterscheidet sie von den Monstern, die sie bekämpft? Themen wie Liebe, Kameradschaft und Verbundenheit laufen durch die Kampagne, ohne immer überraschend zu sein.
Gerade deshalb ist Kuu so wichtig. Emma selbst bleibt lange sehr verschlossen und teilweise fast leer. Kuu bringt eine andere Art von Nähe ins Spiel, ohne dass dafür ständig große Worte nötig sind. Die Bindung wirkt am stärksten, wenn sie im Spiel selbst passiert: Er hilft beim Suchen, greift im Kampf ein und ist sichtbar Teil der Reise.
Neben Kuu begleiten Emma auch Kagura, Violet und Brad. Mit Begleitern können Gespräche geführt werden, wodurch sich die Bindung steigern lässt. Das bringt auch neue Fertigkeiten. Das ist ein guter Gedanke, weil Beziehungen hier nicht nur für Zwischensequenzen da sind. Sie hängen mit dem Fortschritt zusammen.
Die Story selbst hat aber klare Schwächen. Dialoge können steif wirken, manche Abschnitte ziehen sich, und einige Wendungen sind ziemlich vorhersehbar. Dafür gibt es auch starke Zwischensequenzen, die das düstere Setting besser tragen als viele Gespräche. Die Kampagne kann ungefähr bei 17 Stunden landen, je nach Schwierigkeitsgrad und Spielweise kann das etwas abweichen.
Der Kampf lebt von Emma und Kuu zusammen
Das Kampfsystem ist der stärkste Teil von Beast of Reincarnation. Emma kämpft mit dem Schwert in Echtzeit. Sie greift an, pariert und nutzt Spezialangriffe. Der Nahkampf nimmt einen großen Teil der Spielzeit ein, weil viele Gegner direkt erledigt werden wollen und die Zonen regelmäßig in Bosskämpfe führen.
Spannend wird das System durch Kuu. Sobald seine Fähigkeiten eingesetzt werden, läuft das Geschehen nur noch in Zeitlupe. Er kann Gegner zum Beispiel kurz mit Ranken festhalten oder zubeißen. Diese Aktionen kosten Aktionspunkte. Die füllt Emma durch perfekte Paraden wieder auf.
Das ist wichtig, weil Kuu dadurch nicht wie eine Extra-Taste ohne echten Plan wirkt. Wer gut pariert, bekommt mehr Möglichkeiten für Kuus Fähigkeiten. Wer Kuus Aktionen klug nutzt, schafft sich bessere Chancen für Emma. Beide Seiten hängen also zusammen. Dazu lassen sich Kuus Aktionen mit Effekten erweitern, etwa mit Heilung für Emma.
Beast of Reincarnation mischt damit schnelle Action mit einem kurzen taktischen Moment. Man kämpft nicht rundenbasiert, muss aber regelmäßig entscheiden, wann Kuu eingreifen soll. Dadurch fühlen sich Duelle lebendiger an als ein simples Ausweichen-und-Schlagen-System.
Ganz an die großen Vorbilder reicht das Spiel nicht heran. Trotzdem funktioniert die Action über die Spielzeit sehr gut. Besonders Bosskämpfe können angenehm fordernd sein. Der mittlere der drei Schwierigkeitsgrade wirkt fair, auch weil Checkpoints großzügig gesetzt sind. Das nimmt Frust heraus, ohne die Kämpfe komplett harmlos zu machen.
Probleme entstehen eher, wenn viele Feinde gleichzeitig auf dem Bildschirm sind. Dann stoßen Steuerung und Kamera an Grenzen. Das ist schade, weil das Kampfsystem eigentlich davon lebt, genaue Paraden und richtige Zeitpunkte zu treffen. Wenn die Übersicht fehlt, fühlt sich ein Treffer weniger verdient an.
Erkundung lohnt sich, wiederholt sich aber
Die Reise führt durch verschiedene Zonen im überwucherten Japan. In fast jeder Zone wartet ein Nushi. Das sind starke Monster und Herrscher eines Gebietes. Bevor Emma und Kuu so einen Boss stellen können, müssen sie oft erst sein Versteck finden.
Dabei entstehen kleine Erkundungsaufgaben. Mal muss Strom wiederhergestellt werden, mal werden Schlüssel oder Schlüsselkarten gesucht. Die Zonen sind teilweise recht weitläufig und laden dazu ein, nicht nur der Hauptspur zu folgen. Wer abseits des Weges sucht, findet Upgrade-Materialien, neue Waffen, optionale Minibosse und Pflanzen-Setzlinge.
Hier passt Kuu wieder gut hinein. Seine Spürnase hilft beim Aufdecken von Dingen, die man sonst leichter übersieht. Das macht Erkundung nicht riesig kompliziert, aber es gibt dem Hund auch außerhalb von Kämpfen einen Sinn. Genau solche Systeme sorgen dafür, dass Kuu nicht nur in der Story wichtig genannt wird, sondern auch im normalen Spielen ständig eine Aufgabe hat.
Die Belohnungen sind gemischt. Neue Waffen und Mods machen Spaß, weil Emma und Kuu damit besser an den eigenen Stil angepasst werden können. Beide haben außerdem eigene Skilltrees. Punkte dafür gibt es durch besiegte Gegner. So wächst das Duo langsam weiter, ohne dass das Spiel mit zu vielen Zahlen um sich wirft.
Weniger stark sind die Pflanzen und Gerichte. Kagura kann aus angebautem Obst und Gemüse Essen kochen, das temporäre Vorteile bringt, etwa mehr Angriff, Lebensenergie oder Verteidigung. In der Praxis fallen diese Buffs aber kaum auf. Sie sind nett, wirken aber nicht so wichtig wie Waffen, Mods oder neue Fähigkeiten.
Auch die Miniquests nutzen sich ab. Viele Entdeckungen sind mit kurzen Aufgaben verbunden, die sich im Laufe der Zeit zu oft wiederholen. Das ist kein kompletter Bruch, aber man merkt, dass Beast of Reincarnation bei Nebeninhalten nicht immer genug neue Ideen nachlegt. Die Erkundung ist am besten, wenn sie direkt mit Kuu, einem stärkeren Gegner oder einer brauchbaren Belohnung verbunden ist.
Schöne Welt, schwankende Technik
Optisch hat Beast of Reincarnation starke Momente. Das postapokalyptische Japan ist nicht einfach nur grau und kaputt. Wälder, grüne Wiesen und kräftige Farben geben der Welt einen eigenen Look. Gerade die Natur wirkt an vielen Stellen schön, weil sie die Ruinen nicht nur bedeckt, sondern die ganze Stimmung verändert.
Nicht jeder Bereich hält dieses Niveau. Innenabschnitte in unterirdischen Anlagen oder alten Gebäuden sehen deutlich langweiliger aus. Dort dominieren Grau- und Brauntöne, außerdem wiederholen sich manche Räume zu oft. Der Unterschied zu den offenen, überwucherten Gebieten ist klar zu spüren.
Auf PS5 gibt es außerdem mehrere kleine technische Ärgernisse. Genannt werden Clipping-Fehler, vereinzelte Ruckler und Slowdowns sowie nachladende Texturen. Abstürze kamen nicht vor, aber die Menge der kleineren Probleme fällt trotzdem auf. Das Spiel ist dadurch nicht kaputt, wirkt aber an manchen Stellen unfertig.
Beim Ton sieht es besser aus. Die japanische Sprachausgabe passt gut zum Spiel. Eine deutsche Synchronisation gibt es nicht. Die Musik setzt stark auf melancholische Stimmung und erinnert hörbar an die großen Genre-Vorbilder. Auch hier wirkt Beast of Reincarnation nicht völlig neu, trifft aber oft den richtigen Ton für seine Welt.
Für wen Beast of Reincarnation passt
Beast of Reincarnation ist am stärksten, wenn Emma und Kuu gemeinsam handeln. Der Hund ist nicht nur ein Maskottchen, sondern der wichtigste Grund, warum sich das Action-RPG eigenständig anfühlt. Seine Fähigkeiten machen Kämpfe spannender, seine Spürnase hilft beim Erkunden, und seine Rolle gibt der eher bekannten Geschichte mehr Herz.
Wer ein perfektes Action-RPG auf dem Niveau von Sekiro: Shadows Die Twice erwartet, wird nicht ganz bekommen, was er sucht. Dafür sind Kamera, Technik, wiederholte Bosse und manche Nebenaufgaben zu ungleichmäßig. Auch die Story hat gute Gedanken, erzählt sie aber nicht immer frisch genug.
Wenn du schnelle Schwertkämpfe magst, gern Zonen absuchst und einen Begleiter willst, der wirklich etwas im System verändert, ist Beast of Reincarnation trotzdem interessant. Es ist kein perfektes Spiel. Aber wegen Kuu bleiben viele seiner Schwächen nicht so stark hängen.