Code Vein 2 hat eine klare Stärke: Wenn das Spiel dich in einen harten Kampf wirft, funktioniert sehr viel. Die Waffen fühlen sich unterschiedlich an, Spezialaktionen greifen ineinander und die Partnermechanik sorgt für spannende Entscheidungen. Genau dort wirkt die Fortsetzung am sichersten.
Schwächer wird es, wenn du abseits der Kämpfe unterwegs bist. Die Welt lädt zwar immer wieder zum Suchen ein, weil Waffen und Ressourcen versteckt sind. Gleichzeitig wirken viele offene Bereiche leer, manche Dungeons zu ähnlich und die Technik nicht sauber genug. Das ist schade, weil Code Vein 2 eigentlich viele gute Ideen hat.
Die Fortsetzung erzählt eine eigene Geschichte. Du musst den ersten Teil also nicht kennen. Im Mittelpunkt stehen Wiedergänger, Menschen und eine drohende Katastrophe, die mit einem Ereignis vor 100 Jahren zusammenhängt. Lou kann durch die Zeit reisen und begleitet deinen selbst erstellten Hauptcharakter. Das Zeitreise-Thema bleibt nicht nur Deko: Entscheidungen in der Vergangenheit können den späteren Verlauf verändern und führen zu mehreren möglichen Enden.
Das Kampfsystem ist der wichtigste Grund weiterzuspielen
Code Vein 2 ist ein Soulslike, aber es wirkt nicht nur wie ein weiterer Versuch, bekannte schwere Kämpfe nachzubauen. Der Kampf lebt vor allem davon, wie viele Teile zusammenarbeiten. Am Anfang bist du noch mit einem einfachen Schwert unterwegs. Später kommen Doppelschwerter, Kriegshämmer, Lanzen und Schusswaffen dazu.
Diese Waffen sind nicht nur Werte auf einer Liste. Viele davon findest du in den Arealen selbst. Das ist wichtig, weil die Erkundung dadurch zumindest spielerisch einen Sinn bekommt. Wer gern ausprobiert, kann sich nach und nach ein eigenes Arsenal bauen und schauen, welche Waffe zum eigenen Tempo passt.
Dazu kommen die Formae. Das sind Spezialaktionen, mit denen du mehr Schaden machst, Statuswerte auf Waffen legst oder besonders starke Angriffe auslöst. Jede dieser Aktionen kostet Punkte. Du kannst also nicht einfach alles gleichzeitig einpacken. Es entsteht eine kleine Baukastenfrage: Willst du sicherer spielen, aggressiver angreifen oder dich auf einzelne starke Aktionen verlassen?
Damit diese Spezialaktionen nicht nur in Menüs gut aussehen, braucht das Spiel Ichor. Das bekommst du durch den Einsatz deines Käfigs. Käfige verursachen Schaden, können Gegner ins Wanken bringen oder sie ganz von den Beinen holen. So entsteht ein Kreislauf: Du greifst an, nutzt den Käfig, füllst Ichor auf und setzt damit wieder Formae ein. Wenn dieser Ablauf sitzt, werden die Kämpfe schnell und angenehm druckvoll.
Ganz sauber ist es aber nicht immer. Die Kamera kann in hektischen Momenten überfordert wirken. Heilanimationen sind sehr langsam, was in Bosskämpfen hart nerven kann. Trotzdem kippt die Schwierigkeit laut den vorliegenden Testeindrücken nicht in unfair. Gerade die wichtigen Story-Bosse ziehen stark an, bleiben aber ein Grund, noch einmal besser zu spielen statt einfach aufzugeben.
Partner machen die Kämpfe spannender, nicht nur leichter
Eine der interessantesten Ideen steckt in den Begleitern. Vor den großen Kämpfen lernst du mehrere starke Wiedergänger kennen. Mit ihnen baust du eine Verbindung auf. Manche Beziehungen wirken eher freundschaftlich oder kameradschaftlich, andere können auch mehr andeuten. Diese Figuren sind aber nicht nur für Zwischensequenzen da. Sie können dich im Kampf begleiten.
Dabei hast du zwei Wege. Du kannst mit einem Partner gemeinsam losziehen oder ihn assimilieren, also mit ihm verschmelzen, um stärker zu werden. Wer gemeinsam kämpft, bekommt Unterstützung durch den computergesteuerten Begleiter. Dieser kann dich sogar wiederbeleben, wenn du fällst.
Das macht Code Vein 2 nicht automatisch leicht. Nach einer Wiederbelebung fällt dein Partner kurz aus. Je öfter du zu Boden gehst, desto länger dauert diese Pause. Außerdem kehrst du nach mehreren Niederlagen mit weniger Lebensenergie zurück. Wenn du in diesem Zeitraum erneut besiegt wirst, ist endgültig Schluss und es heißt Game Over.
Das klingt erst wie ein Sicherheitsnetz, spielt sich aber eher wie ein Risiko-System. Du bekommst eine zweite Chance, aber sie kostet etwas. Genau dadurch entstehen diese Momente, in denen du bei einem Boss noch einen Angriff wagst, obwohl deine Leiste schon gefährlich leer ist. Code Vein 2 belohnt Mut, aber es bestraft leichtsinniges Draufhauen.
Die Geschichte ist klarer als bei vielen Soulslikes
Wer bei Soulslikes vor allem kryptische Texte und versteckte Andeutungen erwartet, bekommt hier etwas Direkteres. Code Vein 2 erzählt seine Handlung klassischer und nutzt viele Zwischensequenzen. Die Story ist nicht der spektakulärste Teil des Spiels, aber sie gibt einen klaren Grund weiterzumachen.
Gut passt dazu das Zeitreise-System. Lous Fähigkeit bleibt nicht nur ein Vorwand für die Ausgangslage. An mehreren Stellen kannst du in die Vergangenheit eingreifen und damit die Zukunft verändern. Das kann auch Figuren betreffen, denen dein Charakter viel verdankt. Weil es mehrere Enden gibt, entsteht ein echter Grund für einen weiteren Durchlauf.
Nicht alle Charaktere tragen die Geschichte gleich stark. Einige bleiben weniger spannend, als sie sein könnten. Besser funktionieren sie dann, wenn das Spiel ihre Verbindung zu den Zeitmanipulationen nutzt. Dann merkt man, warum diese Mechanik mehr ist als ein hübscher Story-Trick.
Auch der Charaktereditor fällt positiv auf. Der selbst erstellte Hauptcharakter ist ein wichtiger Teil des Abenteuers, und der Editor bietet viele Möglichkeiten. Für ein Spiel mit Anime-Look ist das passend, weil viele Spieler hier wahrscheinlich genau ihren eigenen Stil bauen wollen.
Die Welt hat Ideen, aber zu wenig Leben
Der größte Bruch liegt in der Spielwelt. Auf den ersten Blick sieht sie oft schick aus. Beim Erkunden fällt aber auf, dass viele Bereiche leer wirken. Es gibt Waffen und Ressourcen zu finden, und gerade dadurch lohnt sich der Blick abseits des Weges. Trotzdem fehlt der Welt oft etwas, das sie wirklich lebendig macht.
Neu ist, dass du auf einem Motorrad unterwegs sein kannst. Das hilft, größere Strecken schneller zu überbrücken. Als Abwechslung ist das sinnvoll. Die Steuerung des Motorrads wirkt aber ungelenk, wodurch die Idee nicht so stark wird, wie sie sein könnte.
Auch bei den Gegnern hätte Code Vein 2 mehr Abwechslung vertragen. Wenn du immer wieder ähnliche Monster bekämpfst, verliert die Welt an Spannung. In den Dungeons zeigt sich ein ähnliches Problem: Einige Abschnitte ähneln sich deutlich. Das Leveldesign der größeren Areale ist meistens ordentlich, erreicht aber nicht die besten Beispiele des Genres.
Technisch gibt es ebenfalls klare Schwächen. Die Charaktermodelle von Lou und anderen Wiedergängern sehen stark aus. In offenen Gebieten stören aber Pop-ups, flackernde Texturen, spätes Nachladen von Texturen und Clipping-Fehler. Hier braucht das Spiel nach dem Start Verbesserungen. Getestet wurde vor dem offiziellen Release am 30. Januar 2026 auf PS5, deshalb ist genau dieser Zustand wichtig zu nennen.
Beim Ton gibt es weniger zu meckern. Die englische Sprachausgabe macht einen guten Job, die japanische Fassung wirkt sogar noch etwas stärker. Der Soundtrack unterstützt die Stimmung mit schönen Melodien, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.
Code Vein 2 ist damit kein rundes Gesamtpaket, aber ein starkes Kampfsystem kann in einem Soulslike viel tragen. Wenn du vor allem Bosskämpfe, viele Waffen und ein System zum Basteln am eigenen Build suchst, bekommst du hier viel Futter. Wenn du dagegen eine dichte, überraschende Welt erwartest, fallen die Schwächen deutlicher auf.