Dan Houser will sich GTA 6 vorerst nicht ansehen. Der frühere Rockstar-Mitgründer hat nach eigenen Angaben auch den rund 27 Minuten langen Extended Look noch nicht gesehen und möchte das offenbar so beibehalten. Seine Begründung ist nicht Ärger über Rockstar oder seinen Bruder Sam Houser, sondern eine Arbeitsregel: Während er selbst an Open-World-Spielen arbeitet, will er fremde Ideen möglichst nicht zu nah an sich heranlassen.
Das ist eine ungewöhnliche Nachricht, gerade weil Houser viele der prägenden Geschichten von GTA 3 bis GTA 5 sowie beide Red-Dead-Redemption-Teile mitverantwortete. Doch sie sagt weniger darüber aus, wie er GTA 6 bewertet. Interessanter ist, was sie über seinen Blick auf kreative Arbeit verrät: Für Houser ist Abstand offenbar kein Desinteresse, sondern ein Werkzeug.
Kein Vergleich während der eigenen Entwicklung
Houser leitet heute Absurd Ventures und arbeitet dort mit seinem Team an zwei eigenen Open-World-Projekten. Er erklärte, dass er Dinge meide, die ihn kreativ ablenken oder beeinflussen könnten. Gerade bei Spielen mit großen frei begehbaren Welten möchte er nicht ständig überlegen, was andere Teams besser oder anders gelöst haben.
Das wirkt nachvollziehbar. Wer ein neues Projekt plant, kann aus anderen Spielen zwar viel lernen. Gleichzeitig kann der direkte Vergleich dazu führen, dass jede eigene Idee sofort gegen ein bekanntes Beispiel antreten muss. Housers Ansatz ist deshalb ziemlich konsequent: Er möchte lieber nach neuen Wegen suchen, statt ein fremdes Spiel gedanklich auseinanderzunehmen und daraus Änderungen für die eigene Arbeit abzuleiten.
Wichtig ist dabei die Grenze. Houser behauptet nicht, dass GTA 6 schlecht sei oder dass er Rockstar bewusst den Rücken kehre. Seine Aussage richtet sich gegen den Einfluss, den ein so großes Spiel auf seine eigene Arbeit haben könnte. GTA 6 ist für ihn offenbar gerade deshalb etwas, das er im Moment ausblendet.
Wenn Spielen zur Analyse wird
Houser beschreibt noch einen zweiten Grund, warum moderne Open-World-Spiele für ihn schwer einfach nur Unterhaltung sein können. Beim Spielen analysiere er laut eigener Aussage beinahe sofort, wo ein Team stark sei und wo nicht. Dann denke er über Animationen, Spieldesign oder mögliche Diskussionen während der Entwicklung nach.
Für Spieler ist das ein spannender Gedanke, weil es zeigt, wie sehr sich der Blick auf ein Spiel verändern kann. Viele achten beim ersten Spielen auf Figuren, Missionen oder die Welt. Wer selbst jahrelang an solchen Projekten gearbeitet hat, sieht womöglich zuerst die Entscheidungen dahinter. Aus einer Stadt, einem Kampf oder einer Animation wird dann schnell eine Frage danach, wie ein Team diese Szene gebaut hat.
Houser ordnet sich selbst dabei nicht als klassischen Spieldesigner ein. Er beschreibt seine Rolle eher als kreativ leitend und auf der Suche nach Dingen, die es so noch nicht gegeben hat. Inspiration könne auch aus älteren Medien kommen. Gerade bei einem riesigen Open-World-Projekt kann es deshalb sinnvoll sein, nicht jede aktuelle Entwicklung im gleichen Genre direkt zu verfolgen.
Diese Regel gilt für ihn schon lange
Die Abschottung ist laut Houser kein neuer Entschluss wegen GTA 6. Während der Arbeit an Red Dead Redemption habe er ab dem ersten Tag keine Western mehr gesehen. Auch die Serie Die Sopranos habe er erst nach seinem Weggang von Rockstar vollständig geschaut. Houser meint, die Serie hätte seine Arbeit an GTA damals zu stark beeinflussen können.
Sein Prinzip ist also ziemlich klar: Inspiration sucht er nicht unbedingt dort, wo alle sofort hinschauen würden. Das kann helfen, eigene Ideen nicht aus Versehen zu Kopien bekannter Vorbilder werden zu lassen. Es bedeutet aber auch, dass Houser bewusst darauf verzichtet, große aktuelle Werke seines eigenen Genres zu verfolgen.
Bei Absurd Ventures entstehen derzeit eine Open-World-Komödie, bei der Humor und das Erinnerungsvermögen der Figuren wichtig sein sollen, sowie ein dystopisches Science-Fiction-Abenteuer. Dort geht es um eine Spieleentwicklung, die aus dem Ruder läuft, und um ein bewusst gewordenes automatisiertes System, das von zwei zerstrittenen Personen geschaffen wurde. Zu beiden Spielen gibt es bislang nur wenige Details.
GTA 6 soll am 19. November 2026 für PS5 und Xbox Series X/S erscheinen. Bis dahin wird Houser dem Spiel wohl weiter aus dem Weg gehen. Für Fans ist das keine Aussage über die Qualität des neuen GTA. Es ist vor allem ein Hinweis darauf, dass selbst jemand, der die Reihe lange mitgeprägt hat, Abstand braucht, wenn er an der nächsten eigenen großen Welt arbeitet.