EA Sports FC 27 hat mit The Grounds endlich einen Modus, der sich nicht wie eine kleine Ergänzung anfühlt. Statt nur Menüs und einzelne Partien aneinanderzureihen, gibt es drei begehbare Bezirke, Online-Spiele in verschiedenen Größen und eine klar erkennbare Liebe zum Straßenfußball. Das macht neugierig und kann für viele Fans der Grund sein, länger dranzubleiben.
Ganz ohne Haken ist das aber nicht. Im Test fehlten online oft Mitspieler. Dadurch ließen sich viele Spielvarianten noch nicht richtig beurteilen. Gerade bei einem Modus, der von anderen Spielern lebt, ist das ziemlich wichtig.
The Grounds bringt Fußball abseits des Stadions ins Spiel
The Grounds ist die größte Veränderung in FC 27. Mit dem eigenen Avatar läufst du durch drei Bezirke und kannst dort an Online-Partien teilnehmen. Montclair steht für französischen Straßenfußball, Zeiza für die argentinische Potrero-Kultur und Parkside für britischen Arbeiterfußball. Die Orte sollen nicht einfach nur bunt oder verrückt wirken, sondern zeigen jeweils eine eigene Fußballart.
Das klappt vor allem über die Details der Umgebung und die unterschiedlichen Mentoren. Kylian Mbappé, Paulo Dybala und Chloe Kelly führen durch die Bezirke. Sie sind dabei nicht bloß bekannte Gesichter auf einem Menübildschirm, sondern gehören zu den jeweiligen Bereichen.
Die Idee erinnert an offene Online-Hubs anderer Sportspiele. FC 27 versucht aber offenbar nicht, alles mit möglichst vielen schrägen Extras vollzustopfen. Stattdessen bleibt der Fußball im Mittelpunkt. Das passt gut, denn Straßenfußball lebt davon, schnell in die nächste Runde zu kommen und nicht lange Erklärungen abzuarbeiten.
Bei den Spielarten gibt es mehr als das normale kleine Match. Neben 1-gegen-1 und 3-gegen-3 gehört auch Boccia Ball dazu. Besonders interessant klingt Torkontrolle: Auf einem quadratischen Feld öffnen und schließen sich acht Tore. Triffst du in eines davon, gehört es dir und bringt Punkte. Der Gegner kann es zurückerobern, indem er selbst trifft.
Diese Regel ist leicht zu verstehen, verändert aber sofort, worauf du achtest. Es geht nicht nur darum, irgendein Tor zu erzielen. Du musst auch schauen, welche Tore gerade erreichbar sind und welche der Gegner kontrolliert. Im Test war Torkontrolle spielbar, weil dafür nur ein weiterer Spieler nötig ist. Die Partie zeigt, dass The Grounds nicht allein von großen Clubteams leben muss.
Der neue Modus braucht volle Server
Trotz der starken Grundidee blieb im Test ein großes Fragezeichen: Viele Online-Spielarten hatten zu wenig Mitspieler. Deshalb konnten sie nicht lange genug ausprobiert werden. Das betrifft gerade die verrückteren Varianten, bei denen erst mehrere echte Spieler zeigen würden, ob aus einer netten Idee wirklich ein Modus für viele Abende wird.
Auch die großen Clubturniere hängen daran. Wenn genug Leute da sind, können Clubs im 11-gegen-11 in Ligen und Playoffs gegen andere Clubs antreten und Belohnungen verdienen. Wer keinem Club angehört, kann über Drop-in-Stadien automatisch in ein Team kommen. Das ist praktisch, weil du nicht erst eine feste Mannschaft suchen musst.
Genau hier liegt aber auch der Unterschied zwischen einer coolen Ankündigung und einem Modus, der dauerhaft Spaß macht. The Grounds hat viele mögliche Wege: schnelle Duelle, kleine Fun-Partien, große Clubspiele oder spontane Drop-ins. Damit das nicht leer wirkt, müssen die Lobbys nach dem Start gut gefüllt sein. Der Test kann das wegen der geringen Spielerzahl noch nicht beantworten.
Auf dem Platz wird Verteidigen wichtiger
Auch das eigentliche Fußballspiel hat ein paar sinnvolle Änderungen bekommen. Im Wettbewerbsmodus hilft die computergesteuerte Abwehr weniger stark mit. Du musst Verteidiger selbst auswählen, richtig stehen und Zweikämpfe oder Grätschen bewusst einsetzen. Wer sich bisher darauf verlassen hat, dass die Abwehr vieles allein regelt, merkt den Unterschied schnell.
Das kann erstmal anstrengender sein, macht Gegentore aber eher verständlich. Wenn du zu spät wechselst oder den falschen Spieler bewegst, entsteht Platz. FC 27 fordert also mehr Aufmerksamkeit, statt die wichtigsten Defensivaufgaben nebenbei zu erledigen.
Im Angriff verhalten sich Mitspieler etwas klüger. Sie können gebogene Läufe hinter die Abwehr machen, brechen diese aber vor dem Abseits ab und orientieren sich neu. Das ist keine riesige Umstellung, hilft aber dabei, dass Angriffe weniger oft an einem sinnlosen Sprint ins Abseits enden.
Dazu kommt das Off-Balance-Dribbling. Besonders technische Spieler können nach einem Kontakt versuchen, den Ball zu behaupten und weiterzulaufen. Bei Ecken gibt es nach dem Anvisieren außerdem kurz Zeit, Angreifer passend zu stellen. Diese Änderungen machen aus FC 27 kein komplett anderes Fußballspiel. Sie geben dir aber in wichtigen Momenten mehr Kontrolle und verlangen gleichzeitig mehr von dir.
Karriere und Ultimate Team bleiben eher Feinschliff
Neben The Grounds hat EA Sports an den bekannten Modi gearbeitet, doch nicht jede Neuerung trifft gleich gut. In der Profikarriere gibt es nun Rivalitäten mit anderen Spielern. Die sollen kleine Geschichten über mehrere Partien erzeugen, etwa durch das Ziel, häufiger als der Rivale zum Spieler des Spiels gewählt zu werden.
Im Test wirkte dieses System aber noch beliebig. Eine Rivalität mit Tom Zimmerschied von Elversberg entstand, obwohl das betreffende Spiel schon mehrere Spieltage zurücklag. Warum gerade dieser Gegner plötzlich wichtig sein soll, erklärt das Spiel kaum. Eine kurze Meldung und eine Nachricht der Agentin reichen dafür nicht. So wird aus einer möglichen persönlichen Geschichte eher eine Aufgabe mit Persönlichkeitspunkten als Belohnung.
Der Managermodus macht bei Verhandlungen mehr richtig. Vertrags- und Transfergespräche finden jetzt in einem schlichten Menü statt, nicht mehr in virtuellen Büros. Das sieht weniger besonders aus, ist aber klarer aufgebaut. Gleichzeitig gibt es mehr Möglichkeiten, etwa Rückkaufklauseln, Boni für Wettbewerbe oder Gehaltskürzungen bei einem Abstieg.
Interessant ist auch der dynamische Wert von Spielern. Neben dem normalen Gesamtwert beeinflussen Moral, Fitness, Form und Spielzeit ihre Stärke während der Saison. Junge Talente können sich schneller entwickeln als ältere Profis. Das gibt der Kaderplanung mehr Leben, ohne dass man sich durch ein kompliziertes neues System kämpfen muss.
In Football Ultimate Team fällt die FUT Gallery kleiner aus. Dort stellst du Sets aus Spieler-Items verschiedener Clubs, Ligen, Nationen und Kampagnen zusammen, bewertest sie und erhöhst damit das Gallery Level für weitere Belohnungen. Das ist eine nette Beschäftigung für Sammler, aber nicht der Grund, warum sich FC 27 neu anfühlt.
FC 27 verbessert viele Stellen, die Fußballfans jede Woche sehen: Verteidigung, Laufwege, Ecken, Verhandlungen und Kaderentwicklung. The Grounds ist aber der Teil, der wirklich frischen Wind bringt. Wenn die Online-Bezirke nach dem Start voller Spieler sind, kann daraus ein starker Treffpunkt für schnelle Fußballrunden werden. Bleiben die Lobbys leer, verliert die beste neue Idee des Spiels schnell viel von ihrem Spaß.