In den Niederlanden könnte Epic Games wegen der Verkaufsmechaniken in Fortnite erneut juristischen Ärger bekommen. Die Verbraucherorganisation Stichting Massaschade & Consument, kurz SMC, bereitet eine Sammelklage vor. Sie verlangt für betroffene Nutzer Rückzahlungen und Schadenersatz von mehr als 100 Millionen Euro.
Die Organisation richtet sich an Menschen, die Fortnite in den Niederlanden vor ihrem 21. Geburtstag gespielt haben. Noch ist kein Prozess gestartet: SMC hat Epic zunächst zur Verantwortung aufgefordert und einen Vergleich vorgeschlagen. Kommt keine Einigung zustande, soll ein Gericht entscheiden.
Worum es bei der Forderung geht
SMC wirft Epic vor, junge Spieler durch die Gestaltung des Shops zu Käufen mit echtem Geld gedrängt zu haben. Besonders geht es um virtuelle Währungen wie V-Bucks. Zusätzlich steht der Vorwurf im Raum, dass Daten von Kindern ohne Zustimmung der Eltern gesammelt worden seien.
Als Grundlage nennt SMC eine Befragung von mehr als 1.000 niederländischen Jugendlichen zwischen 16 und 19 Jahren. Sechs von zehn Befragten, die solche Währungen gekauft hatten, hätten das Geld dabei nicht als echtes Geld wahrgenommen. Etwa die Hälfte sagte laut Studie außerdem, einen Kauf unter Zeitdruck später bereut zu haben.
Wichtig ist: Die Organisation fordert kein Fortnite-Verbot. Ihr Ziel sind finanzielle Entschädigungen für Spieler, die aus ihrer Sicht durch problematische Kaufanreize benachteiligt wurden.
Epic verweist auf bestehende Sperren
Epic Games widerspricht den Anschuldigungen. Ein Sprecher des Unternehmens erklärte, dass der Fortnite-Shop keinen Timer habe. Außerdem könnten Eltern für Zahlungen eine PIN einrichten.
Nach Angaben von Epic werden Nutzern unter 18 Jahren in den Niederlanden keine Angebote angezeigt, die weniger als 48 Stunden verfügbar sind. Für Spieler unter 16 Jahren gibt es zudem einen eingeschränkten Account. Ohne Einwilligung der Eltern sollen darüber keine Käufe möglich sein.
Epic nennt außerdem eine zusätzliche Bestätigung vor dem Bezahlen, direkte Stornierungen und Rückgaben, die Spieler selbst anstoßen können. Gerade diese Funktionen werden nun wichtig, falls der Fall vor Gericht landet. Dann dürfte es nicht nur darum gehen, welche Schutzoptionen es gibt, sondern auch, ob sie junge Spieler im Alltag wirklich ausreichend vor impulsiven Käufen schützen.
Frühere Entscheidung erhöht den Druck
Der Streit kommt nicht aus dem Nichts. Die niederländische Verbraucherschutzbehörde ACM hatte Epic 2024 mit 1,125 Millionen Euro bestraft. Ein Gericht in Rotterdam bestätigte die Strafe im Januar 2026.
Damals ging es unter anderem um Kaufaufforderungen und Countdowns im Item-Shop. Die Behörde sah darin unfaire Geschäftspraktiken gegenüber Kindern. Je 562.500 Euro der Strafe entfielen auf diese beiden Bereiche.
Auch in den USA hatte Epic 2022 bereits einer Zahlung von 520 Millionen US-Dollar zugestimmt, um Verfahren der Handelsbehörde FTC beizulegen. Dabei standen Kinderdatenschutz und ungewollte Käufe im Mittelpunkt.
Für Fortnite-Spieler in den Niederlanden bleibt damit vor allem offen, ob Epic und SMC noch eine Einigung finden. Falls nicht, könnte ein Gericht genauer prüfen, wie weit der Schutz junger Nutzer bei kostenlosen Spielen mit Ingame-Shop reichen muss.