Forza Horizon 6 macht genau das, worauf viele Fans lange gewartet haben: Das Horizon Festival fährt nach Japan. Das ist nicht nur ein hübscher Ortswechsel. Tokio, Bergstraßen, Wälder, Schnee und Kirschblüten passen richtig gut zu dem, was die Reihe am besten kann: schnell fahren, frei herumprobieren und sich ständig von der nächsten Kurve ablenken lassen.
Das neue Open-World-Rennspiel wirkt dann am stärksten, wenn es euch einfach ans Steuer setzt und loslässt. Die Autos fühlen sich stark an, die Welt sieht richtig schön aus und die neuen Touge-Rennen passen perfekt zum Japan-Setting.
Ganz sauber ist die Fahrt aber nicht. Die Karte ist extrem voll, die Kampagne bleibt eher dünn und manche Schwierigkeitssprünge nerven. Forza Horizon 6 ist trotzdem ein sehr starkes Rennspiel, nur eben eins, das manchmal zu viel auf einmal will.
Japan ist der beste Grund einzusteigen
Japan ist in Forza Horizon 6 nicht nur ein Hintergrund für Rennen. Die Spielwelt ist der Teil, der sofort hängen bleibt. Ihr fahrt durch die Häuserschluchten von Tokio, vorbei an bekannten Orten wie der Shibuya-Kreuzung oder dem Tokyo Tower, aber auch raus in ruhigere Gegenden mit Wäldern und verschneiten Bergen.
Gerade diese Mischung macht die Karte spannend. Ein Rennen in der Stadt fühlt sich anders an als eine Fahrt über enge Bergstraßen. Dazu kommen Aufgaben, die nicht nur auf Tempo setzen. In Tokio könnt ihr zum Beispiel Essenslieferungen übernehmen. Bei Tagestouren lernt ihr sogar ein paar Infos zu Sehenswürdigkeiten kennen.
Das klingt erst mal nach Nebenzeug, hilft aber dabei, dass Japan mehr ist als nur „die neue Map“. Die Welt hat viele Ecken, die zum Herumfahren einladen. Manchmal reicht es schon, ohne großes Ziel durch die Gegend zu rasen, weil das Spiel optisch so viel hergibt.
Der große Grafik-Sprung zum Vorgänger bleibt aber aus. Forza Horizon 6 sieht sehr gut aus, nur fallen die Verbesserungen eher bei Details und Texturen auf. Wer einen riesigen Unterschied erwartet, muss genauer hinschauen. Wichtiger ist: Das Spiel läuft flüssig, und gerade bei hohen Geschwindigkeiten zählt das mehr als noch ein bisschen mehr Glanz auf der Karosserie.
Das Fahrgefühl trägt fast alles
Der wichtigste Punkt bei einem Forza Horizon ist natürlich das Fahren. Und genau hier liefert Teil 6 wieder richtig stark ab. Jede Autoklasse fährt sich spürbar anders. Ein starker Sportwagen fühlt sich nicht an wie ein Offroad-Auto, und der Untergrund macht ebenfalls einen klaren Unterschied.
Asphalt, Schnee oder nasse Wiesen verändern, wie ihr Kurven nehmt und wie viel Kontrolle ihr über euer Auto habt. Das ist wichtig, weil Forza Horizon 6 dadurch nicht nur schnell aussieht, sondern sich auch gut anfühlt. Ihr merkt, wenn ein Auto zu viel Power für eine Strecke hat. Ihr merkt auch, wenn ein Wagen besser zu Dirt-Rennen passt als zu engen Stadtstrecken.
Dazu kommen satte Motorensounds. Gerade mit später freigeschalteten, stärkeren Wagen fühlt sich das Spiel schön wuchtig an. Es geht nicht nur darum, von Checkpoint zu Checkpoint zu fahren. Es macht Spaß, mit dem Auto zu spielen, Kurven auszutesten und zu schauen, wie weit man es treiben kann.
Auch die computergesteuerten Gegner machen meistens einen guten Job. Schon auf normalem Schwierigkeitsgrad fahren sie nicht einfach brav hintereinander her. Sie greifen an, setzen euch unter Druck und können auch ziemlich hart fahren.
Nicht ganz sauber ist das Balancing. Bei manchen Rennen wirken die Sprünge zwischen den Schwierigkeitsgraden zu groß. Das passiert nicht ständig, aber wenn es passiert, fällt es auf. Dann fühlt sich ein Rennen plötzlich deutlich härter an, als es vorher zu erwarten war.
Fortschritt gibt es an zwei Stellen
Forza Horizon 6 teilt euren Fortschritt grob in zwei Bereiche. Ein Teil hängt direkt am Horizon Festival. Ihr gewinnt Rennen, sammelt verschiedenfarbige Festivalbändchen und schaltet nach und nach größere Events frei. Diese großen Eventrennen gehören zu den coolsten Momenten im Spiel.
Ein Beispiel sticht besonders heraus: ein Rennen gegen einen riesigen Mech, begleitet von „New Genesis“ von Ado. Solche Momente zeigen, warum die Reihe so beliebt ist. Sie nimmt Rennsport nicht immer trocken ernst, sondern macht daraus ein überdrehtes Festival.
Die eigentliche Story bleibt dagegen ziemlich egal. Ihr kommt als neuer Fahrer nach Japan, beweist euch in verschiedenen Disziplinen und steigt weiter auf. Das reicht als Rahmen, aber wer eine starke Kampagne sucht, bekommt hier nicht viel. Forza Horizon 6 will euch nicht mit einer großen Handlung packen. Es will, dass ihr Rennen fahrt.
Der zweite Fortschrittsbereich heißt „Discover Japan“. Hier sammelt ihr unter anderem Stempel und schaltet damit neue Inhalte frei. Dieser Teil mischt ruhigere Aufgaben mit actionreicheren Rennen. Besonders wichtig sind die neuen Touge-Rennen.
Touge-Rennen sind direkte 1-gegen-1-Duelle auf kurvigen Bergstrecken. Genau das passt extrem gut zu Japan. Ihr müsst sauber fahren, früh bremsen und dürft nicht einfach nur Vollgas geben. Diese Rennen sind technisch anspruchsvoller als viele normale Events und bringen frischen Druck rein.
Schade ist nur, dass Forza Horizon 6 nicht noch stärker in diese Richtung geht. Das Japan-Setting hätte noch mehr Raum für japanische Autorennkultur bieten können. Touge ist stark, aber man merkt auch, dass hier noch mehr möglich gewesen wäre.
Die Karte ist voll, manchmal zu voll
Wenn ihr in Forza Horizon 6 die Karte öffnet, bekommt ihr sehr schnell sehr viele Symbole zu sehen. Rennen, Herausforderungen, Sammelobjekte, versteckte Autos, Foto-Aufgaben, Blitzer, Drift-Zonen, Sprünge, Trailblazer-Aufgaben und noch mehr. Es gibt fast immer etwas in der Nähe.
Das ist einerseits gut. Langeweile kommt kaum auf. Wenn ein Rennen nicht passt, fahrt ihr eben ein anderes Event. Wenn ihr gerade keine Lust auf Wettkämpfe habt, sucht ihr Maskottchen, zerstört Horizon-Schilder für kleine EP-Boni oder fahrt einfach durch die Welt.
Für neue Spieler kann diese Masse aber schnell zu viel werden. Forza Horizon 6 wirft euch nicht in eine leere Welt, sondern in eine Karte, die von Anfang an nach Beschäftigung schreit. Das kann motivieren, aber auch nerven, wenn man eigentlich nur wissen will, was jetzt gerade wichtig ist.
Immerhin lohnt sich vieles davon. Für Rennen und Herausforderungen gibt es Credits. Wer in den ersten Stunden viele Events fährt und gut abschneidet, kann sich schnell ein ordentliches Polster erspielen. Damit kauft ihr neue Autos, Häuser für euren Fuhrpark, Kleidung für eure Spielfigur oder Tuning-Teile.
Der Fuhrpark ist wieder sehr groß. Manche Autos findet ihr, andere kauft ihr am Straßenrand oder über die Autoshow beim Festivalgelände. Bereits abgeschlossene reguläre Rennen könnt ihr später mit einem anderen Auto erneut fahren. Das ist wichtig, weil ein anderes Fahrzeug ein bekanntes Rennen direkt anders wirken lassen kann.
Für wen Forza Horizon 6 passt
Forza Horizon 6 ist am besten für Spieler, die ein Rennspiel zum Eintauchen suchen. Nicht im Sinne einer tiefen Story, sondern wegen der Welt, der vielen Autos und dem starken Fahrgefühl. Wenn ihr gerne Rennen fahrt, Autos ausprobiert und auf einer schönen Karte ständig neue Aufgaben findet, bekommt ihr hier sehr viel Spiel.
Wenn euch eine übervolle Karte schnell stresst, solltet ihr das aber wissen. Forza Horizon 6 kann am Anfang ziemlich viel auf einmal zeigen. Die beste Art zu spielen ist deshalb nicht, sofort alles abarbeiten zu wollen. Sucht euch lieber eine Rennart, ein Auto oder eine Region und lasst den Rest erst mal liegen.
Am Ende ist Forza Horizon 6 kein kompletter Neustart der Reihe. Es baut stark auf dem auf, was vorher schon funktioniert hat. Japan macht daraus aber ein deutlich frischeres Spielgefühl. Die Touge-Rennen, die schöne Welt und das starke Handling sind die großen Gründe, warum sich die Fahrt lohnt. Die dünne Kampagne und die volle Karte bremsen etwas, halten das Spiel aber nicht davon ab, eines der besten Open-World-Rennspiele für schnelle, freie Fahrten zu sein.