Ein rund 27 Minuten langer Einblick in GTA 6 hat den Konsolenverkauf in Großbritannien offenbar deutlich angeschoben. Nach Angaben von Nielsen IQ stiegen die Verkäufe der PS5 in der Woche nach dem Video um 33 Prozent. Xbox Series X und S legten zusammen um 34 Prozent zu.
Das ist vor allem deshalb auffällig, weil Konsolen dort zuletzt deutlich schlechter liefen. Bis Ende Juli lag der Hardwareabsatz 14,4 Prozent unter dem Vorjahreswert. Ein großes Spiel kann also schon vor seiner Veröffentlichung dafür sorgen, dass viele Leute wieder über neue Hardware nachdenken. Die Zahlen zeigen aber noch nicht, wie lange dieser Schub anhält.
Prozentwerte sind ein starkes Signal, aber keine ganze Bilanz
Die ähnlichen Zuwächse bei PlayStation und Xbox bedeuten nicht automatisch, dass beide Konsolen gleich viele Geräte verkauft haben. Prozentwerte sagen nichts über die jeweilige Ausgangsmenge aus. Wenn vorher weniger Xbox-Konsolen verkauft wurden, kann ein Plus von 34 Prozent in absoluten Stückzahlen kleiner sein als ein PS5-Anstieg von 33 Prozent.
Trotzdem ist die Richtung klar: Das Material zu GTA 6 hat Aufmerksamkeit erzeugt, die offenbar nicht nur beim Anschauen blieb. Das Video erschien zunächst bei Netflix und kam dort in der ersten Woche auf 31,1 Millionen Aufrufe. Etwa sechs Stunden später stellte Rockstar die Szenen auch bei YouTube bereit.
Gezeigt wurden Jason und Lucia in Vice City, sowohl in Zwischensequenzen als auch im eigentlichen Spiel. Für viele Interessierte war das vermutlich der erste längere Eindruck davon, wie sich das neue GTA anfühlen könnte. Genau solche Momente können für Leute wichtig sein, die bisher noch keine aktuelle Konsole gekauft haben und nun prüfen, ob sie bis zum Start von GTA 6 aufrüsten wollen.
Der Markt braucht solche Anlässe
Die Hardwareverkäufe standen zuletzt unter Druck, weil Konsolen durch steigende Komponentenkosten teurer geworden sind. Besonders deutlich war der Rückgang bei der PS5: Ihr Absatz lag im genannten Zeitraum 32 Prozent unter dem Vorjahr. Xbox Series X und S verzeichneten dagegen ein kleines Plus von 3,1 Prozent.
Auch aus den USA kam zuletzt kein besonders gutes Signal. Dort war der Juli der schwächste Monat für die Branche seit 2020. Das bedeutet nicht, dass niemand mehr spielt. Es zeigt eher, dass der Wechsel auf neue Hardware für viele Menschen schwieriger zu begründen ist, wenn die Geräte teuer sind und ein großer Teil der Spielzeit weiterhin in älteren Titeln steckt.
Ronan Patrick von Newzoo erwartet deshalb zwar eine größere installierte Basis durch GTA 6 und Call of Duty: Modern Warfare 4, aber keinen riesigen Sprung. Seine Begründung ist einfach: Die Preise liegen im Vergleich zum Marktstart deutlich höher. Laut Patrick ist die PS5 inflationsbereinigt 67 Prozent teurer, die Xbox sogar doppelt so teuer.
Das macht die aktuelle Reaktion auf GTA 6 interessant. Ein einzelnes Spiel kann den Wunsch nach einer Konsole wieder deutlich verstärken. Es kann aber die höheren Preise nicht einfach verschwinden lassen.
Nicht jedes Verkaufsplus hat denselben Grund
In derselben Woche legte auch die Nintendo Switch 2 um ungefähr ein Drittel zu. Dieser Anstieg sollte aber nicht mit dem GTA-Effekt verwechselt werden. Für die Switch 2 stand eine Preiserhöhung an, was Käufer offenbar dazu bewegt haben könnte, noch vorher zuzuschlagen.
Gerade dieser Vergleich zeigt, wie vorsichtig man die Zahlen lesen muss. Bei PlayStation und Xbox gab es einen großen neuen Spieleindruck, bei Nintendo wohl vor allem Zeitdruck vor einem höheren Preis. Beide Fälle bringen mehr Hardware über die Ladentheke, aber aus unterschiedlichen Gründen.
Für den Konsolenmarkt ist der GTA 6-Schub trotzdem eine wichtige Nachricht. Er beweist nicht, dass die schwächeren Monate vorbei sind. Er zeigt aber, dass ein Spiel mit genug Aufmerksamkeit weiterhin viele Menschen dazu bringen kann, über den Kauf einer PS5 oder Xbox nachzudenken. Ob daraus ein längerfristiger Trend wird, hängt am Ende auch daran, ob der Preis für diese Entscheidung für genug Spieler noch passt.