GTA Online war bei Rockstar offenbar viel weniger selbstverständlich, als es heute wirkt. Der ehemalige Rockstar-Designer Matt Freedman sagt, dass im Team anfangs kaum jemand mit einem Erfolg gerechnet habe. Der Online-Modus sei eher als Zusatz zu GTA 5 gesehen worden, nicht als der Teil, der das Spiel über Jahre begleiten würde.
Das ist vor allem deshalb spannend, weil GTA Online inzwischen viel mehr ist als ein kleiner Mehrspieler-Modus. Rockstar hat ihn über lange Zeit mit neuen Inhalten versorgt. Gleichzeitig zeigt die geplante Einbindung von NoPixel V, dass Rollenspiel und Community-Server für das Unternehmen inzwischen offenbar ebenfalls wichtig sind.
Am Anfang gab es nur wenig zu tun
GTA Online startete am 1. Oktober 2013, etwa zwei Wochen nach GTA 5. Laut Freedman hatte der Modus zu diesem Zeitpunkt technische Probleme. Außerdem war der Umfang wohl so klein, dass Tester davon ausgingen, man könne die vorhandenen Inhalte nach ungefähr vier Stunden erledigt haben.
Das erklärt, warum die Erwartungen im Team niedrig waren. Ein Online-Spiel braucht Gründe, warum Spieler nach dem ersten Abend wiederkommen. Wenn Aufgaben schnell abgeschlossen sind und zusätzlich technische Fehler auftreten, ist das keine gute Grundlage.
Rockstar reagierte laut Freedman aber schnell und brachte weitere Inhalte nach. Genau darin steckt der interessante Teil seiner Aussage: Der heutige Erfolg war offenbar nicht das Ergebnis eines von Anfang an feststehenden Plans. GTA Online musste erst wachsen, nachdem es bereits veröffentlicht war.
Für Spieler ist das keine kleine Randgeschichte. Viele verbinden GTA Online heute mit einer riesigen Auswahl an Aktivitäten, Fahrzeugen und Spielweisen. Dass der Start deutlich kleiner ausfiel, zeigt, wie stark sich ein Online-Modus durch regelmäßige Updates verändern kann. Nicht jeder Zusatz muss sofort perfekt sein. Entscheidend ist, ob ein Studio danach weiter daran arbeitet.
Rollenspiel wird offiziell wichtiger
Der nächste Schritt geht über die normalen Updates hinaus. Rockstar hatte vor drei Jahren bereits das Team hinter FiveM und RedM übernommen. Diese Plattformen sind besonders aus der Rollenspiel-Szene bekannt. Dort erstellen Communities eigene Server und Regeln, sodass GTA 5 oder Red Dead Redemption 2 ganz anders gespielt werden können als im normalen Mehrspieler-Angebot.
Mit NoPixel V soll diese Szene nun direkt im Rockstar Games Launcher einen Platz bekommen. Die geschlossene Beta soll am 8. September 2026 beginnen. Das bedeutet nicht automatisch, dass alle bisherigen Rollenspiel-Server gleich funktionieren werden oder dass Rockstar jede Community-Struktur übernimmt. Aber es zeigt klar, dass Rollenspiel nicht mehr nur als externes Fanprojekt behandelt wird.
Gerade für GTA passt das gut. In klassischen Online-Sitzungen steht oft Action im Mittelpunkt. Im Rollenspiel können Spieler stattdessen Rollen übernehmen, eigene Geschichten mit anderen entwickeln und sich an Regeln eines Servers halten. Dass Rockstar diesem Bereich mehr Raum geben möchte, passt zu einem Online-Spiel, das längst nicht nur aus schnellen Missionen besteht.
Bei GTA 6 bleibt die wichtigste Frage offen
Trotz der neuen Pläne ist noch nicht bekannt, wie Rockstar GTA Online mit GTA 6 verbinden will. GTA 6 soll am 19. November 2026 für PlayStation 5 und Xbox Series X|S erscheinen. Eine Erklärung zu einem möglichen neuen Online-Angebot oder zu einem Wechsel für bestehende Spieler gibt es bislang aber nicht.
Genau das dürfte schwierig werden. Wer GTA Online lange gespielt hat, hat Zeit in Fortschritt, Fahrzeuge und gemeinsame Runden gesteckt. Ein komplett neuer Start könnte für manche spannend sein, andere würden aber wissen wollen, was mit ihren bisherigen Sachen passiert. Der Branchenveteran Chet Faliszek hält einen solchen Umstieg deshalb für eine große Herausforderung.
Freedmans Rückblick macht jedenfalls deutlich, warum diese Frage heute so groß ist. Rockstar hatte anfangs offenbar einen kleinen und unsicheren Online-Modus. Daraus wurde ein Projekt, das Spieler über viele Jahre begleitet hat. Bei GTA 6 geht es daher nicht nur darum, was neu kommt. Rockstar muss auch erklären, wie es mit der riesigen bestehenden Online-Community weitergeht.