Katsuhiro Harada arbeitet nach seinem Abschied von Bandai Namco an einem bislang nicht angekündigten Spiel. Dafür hat der frühere Tekken-Verantwortliche das Studio VS Studio gegründet, das von SNK unterstützt wird. Wichtiger als ein erster Projekttitel ist im Moment aber, was Harada von dieser Zusammenarbeit erwartet: Er will offenbar nicht einfach nur ein weiteres Spiel betreuen, sondern andere Bedingungen für dessen Entwicklung schaffen.
In einem ausführlichen Interview kritisiert Harada vor allem die Distanz zwischen Führungsetagen und den Spielen, die in ihren Firmen entstehen. Seine Aussage ist sehr deutlich: Viele Verantwortliche in der japanischen Branche beschäftigten sich mit Zahlen und Gewinnschwellen, würden die Prototypen oder fertigen Spiele aber nicht selbst spielen.
Das ist eine große Behauptung. Sie beschreibt zuerst Haradas persönliche Sicht auf Teile der Branche, nicht eine belegte Übersicht über alle japanischen Studios. Trotzdem erklärt sie gut, warum er ausgerechnet bei SNK eine Chance sieht.
Ein neues Studio, aber noch kein bekanntes Spiel
Von VS Studio ist bisher nur sicher, dass das Team an einem unbekannten Spiel arbeitet und von SNK unterstützt wird. Ob daraus eine bekannte SNK-Reihe, ein neues Spieluniversum oder etwas ganz anderes wird, steht noch nicht fest. Genau diese Offenheit ist für Haradas nächsten Schritt wichtig.
SNK kann das Studio nach den bisherigen Aussagen offenbar auf zwei Arten nutzen. VS Studio könnte an vorhandenen Marken arbeiten oder neue Marken aufbauen. Damit ist noch keine Rückkehr einer bestimmten Reihe angekündigt. Fans sollten aus der Zusammenarbeit also weder automatisch einen neuen Teil eines bekannten Spiels noch eine direkte Fortsetzung von Haradas früherer Arbeit ableiten.
Für die nächsten Monate dürfte deshalb weniger entscheidend sein, wie das erste Spiel heißt. Spannender ist, welche Art von Projekt VS Studio am Ende tatsächlich auswählt. Ein neues Team muss erst zeigen, wie es seine Ideen in ein fertiges Spiel übersetzt. Dass Harada und SNK große Ziele nennen, ersetzt diesen Schritt nicht.
Warum Harada auf SNK setzt
Harada sieht bei SNK einen Unterschied zu den Strukturen, die er kritisiert. Nach seiner Darstellung kennen die Verantwortlichen dort die eigenen Spiele und setzen sich mit ihnen auseinander. Für ihn gehört dieses Verständnis offenbar direkt zur Arbeit eines Studios dazu.
Das klingt erst einmal selbstverständlich. Bei teuren Produktionen mit vielen Beteiligten kann es aber einen Unterschied machen, ob Entscheidungen nur nach Planung und Kosten getroffen werden oder ob Verantwortliche auch verstehen, wie sich ein Spiel für Spieler anfühlt. Haradas Gedanke ist nicht, dass Zahlen unwichtig wären. Er stellt eher infrage, was passiert, wenn sie das Einzige bleiben, worauf Führungskräfte schauen.
Daraus leitet er seine sehr große Hoffnung ab: Gemeinsam mit SNK könne man an eine starke Zeit japanischer Spiele anknüpfen. Das ist kein konkreter Plan mit Termin oder Produktliste. Es ist eine Richtung, die sich erst an den kommenden Projekten messen lassen muss.
Wachstum braucht mehr als einen bekannten Namen
Auch Kocoglu, der über die Zusammenarbeit mit Harada spricht, beschreibt VS Studio nicht als letzten Ausbau von SNK. Das Unternehmen prüfe weitere Möglichkeiten zu wachsen und könnte künftig zusätzliche Entwickler aufnehmen. Besonders Erfahrung mit Actionspielen werde dabei als interessant genannt.
Gleichzeitig benennt Kocoglu die Schwierigkeit ziemlich klar: Spiele zu entwickeln, die sich gegen starke Konkurrenz durchsetzen, kostet viel Geld und ist anspruchsvoll. Ein festes Rezept für Erfolg gebe es nicht. SNK müsse sich stattdessen auf Qualität, neue Ideen und einen eigenen Charakter konzentrieren.
Das passt zu Haradas Kritik. Ein Studio wird nicht besser, nur weil Manager selbst spielen. Aber wenn Entwickler und Verantwortliche dieselbe Vorstellung davon haben, was ein Spiel leisten soll, können Entscheidungen früher und konkreter diskutiert werden. VS Studio hat noch kein angekündigtes Spiel, an dem sich das prüfen lässt. Gerade deshalb ist Haradas neues Kapitel vor allem ein Versprechen an die Arbeitsweise hinter dem ersten Projekt.