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Kojima kritisiert das schnelle Urteil über Death Stranding

Von Sven 2 Min. Lesezeit

Hideo Kojima ärgert sich über das Etikett „Walking Simulator“ für Death Stranding. Für ihn zeigt es, wie schnell Online-Meinungen eigene Erfahrungen ersetzen können.

Hideo Kojima kritisiert, wie hartnäckig sich vereinfachte Urteile über Spiele online festsetzen können. Als Beispiel nennt er erneut Death Stranding. Das Spiel werde bis heute oft als bloßer „Walking Simulator“ abgestempelt.

Im Gespräch mit Alejandro González Iñárritu sagt Kojima, dass viele dieser Aussagen von Leuten kämen, die es gar nicht gespielt hätten. Für ihn ist das mehr als eine Diskussion über einen einzelnen Begriff. Es zeigt, wie schnell ein Bild von einem Spiel entsteht und weitergetragen wird.

Ein kurzer Satz kann lange hängen bleiben

„Walking Simulator“ ist leicht zu verstehen und passt gut in einen kurzen Post. Genau darin liegt laut Kojima aber das Problem. Der Begriff kann sich verselbstständigen, auch wenn er die Ideen eines Spiels nur sehr grob beschreibt.

Kojima stört vor allem, dass solche Meinungen oft wie eigene Erfahrungen klingen. Wer die Aussage häufig genug liest, übernimmt sie vielleicht. Dann wird kaum noch darüber gesprochen, was ein Spiel tatsächlich macht oder warum es so aufgebaut ist.

Das betrifft nicht nur Death Stranding. Für Spieler ist die Sache trotzdem besonders sichtbar. Ein ungewöhnliches Konzept braucht oft mehr Erklärung als ein Spiel, dessen Ablauf sofort bekannt ist. Wenn online nur ein einzelnes Etikett hängen bleibt, gehen andere Aspekte schnell verloren.

Kojima sieht Parallelen zu Metal Gear Solid 2

Der Entwickler verbindet diese Beobachtung mit Metal Gear Solid 2. Das Spiel erschien 2001 und erzählte von der Auswahl und Kontrolle von Informationen durch ein automatisiertes System. Kojima sagt, die damalige Geschichte wirke heute wie Realität.

Dabei geht es ihm um falsche Informationen und um Inhalte, die immer wieder bei passenden Leuten landen. Nach seiner Einschätzung sehen Menschen dadurch vor allem Dinge, die zu ihren Ansichten und Vorlieben passen. Andere Perspektiven tauchen seltener auf.

Iñárritu beschreibt im Gespräch eine ähnliche Gefahr. Debatten im Netz könnten sich stärker um Geschichten rund um ein Werk drehen als um das Werk selbst. Dann bilden sich feste Meinungen, obwohl viele Beteiligte den Film oder das Spiel nicht kennen.

Kojima erwartet, dass sich dieses Problem durch den stärkeren Einsatz automatisierter Systeme weiter verschärfen könnte. Seine Kritik ist deshalb nicht einfach eine Beschwerde über Death Stranding. Sie richtet sich gegen eine Kultur, in der ein kurzer Eindruck manchmal länger wirkt als die eigene Erfahrung.

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