Spieler feuert in einer futuristischen Umgebung auf leuchtende Gegner zwischen gelben Gebäuden und Wasserpfützen.
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Marathon im Test: Starke Extraktionen, sperriger Einstieg

Von Sven 6 Min. Lesezeit

Marathon kann richtig spannend werden, wenn die Extraktion knapp wird. Bis dahin musst du aber durch zähe Menüs, harte Lernkurven und einige nervige Stolperstellen.

Marathon hat ein ziemlich klares Problem: Die besten Momente kommen erst, wenn man durch die sperrigen Teile durch ist. Dann kann Bungies Extraction-Shooter richtig stark werden. Eine knappe Flucht mit voller Beute, kaum noch Munition und einem anderen Team im Nacken ist genau die Art von Stress, für die dieses Genre gebaut ist.

Nur macht Marathon dir den Weg dahin nicht leicht. Der Einstieg bleibt zäh, die Menüs sind umständlich und viele Erklärungen helfen nicht so gut, wie sie sollten. Dadurch wirkt das Spiel am Anfang nicht geheimnisvoll, sondern eher anstrengend. Wer aber eine feste Gruppe hat und bereit ist, sich durch diese ersten Hürden zu kämpfen, findet darunter einen Shooter mit gutem Tempo, starken Waffen und einigen richtig guten Extraktionsrunden.

Der beste Teil ist die Flucht mit Beute

Marathon funktioniert vor allem dann, wenn eine Runde plötzlich kippt. Du sammelst Ausrüstung, erledigst Aufträge, wirst mutiger und merkst irgendwann: Jetzt wäre es schlauer zu verschwinden. Genau dieser Moment ist wichtig, weil jeder weitere Schritt dein Risiko erhöht.

Das Spiel setzt dabei nicht nur auf Kämpfe gegen computergesteuerte Gegner. Andere Spieler sind immer die größere Gefahr. Wenn ein Team kurz vor der Extraktion auftaucht, wird aus einem normalen Rückweg sofort eine kleine Panikprüfung. Reicht die Munition noch? Wer trägt die wichtigste Beute? Hält jemand die Gegner auf, während der Extraktionspunkt aktiviert wird?

Solche Situationen sind die große Stärke von Marathon. Der Verlust der Beute sorgt für Druck, die knappen Rettungen sorgen für Erleichterung. Wenn alles zusammenpasst, fühlt sich eine erfolgreiche Extraktion nicht wie ein simples Missionsende an, sondern wie eine knapp überlebte Geschichte.

Das Problem: Diese starken Momente entstehen nicht automatisch. Man muss vorher die Karten lernen, die Abläufe verstehen und mit den etwas ruppigen Systemen klarkommen. Marathon verlangt also Geduld, bevor es zeigt, warum es spannend sein kann.

Mit Freunden deutlich stärker als allein

Am besten spielt sich Marathon mit einer festen Crew. Das liegt nicht nur daran, dass gemeinsame Kämpfe einfacher sind. Das ganze Spiel ist sehr stark auf Absprachen gebaut. Wer sucht welche Beute? Wer kümmert sich um Gegner? Wann lohnt sich der Rückzug? Solche Fragen entscheiden oft mehr als ein einzelnes gutes Duell.

Teamwork wird auch direkt wichtig, wenn ein Spieler am Boden liegt oder wenn Beute verteilt werden muss. Dann merkt man, dass Marathon nicht nur ein Shooter mit Teams ist, sondern wirklich davon lebt, dass Spieler zusammen planen. Eine feste Gruppe kann Ziele setzen, Risiken besser einschätzen und sich gegenseitig aus Situationen retten, die allein kaum zu lösen wären.

Mit zufälligen Mitspielern wird das viel wackliger. Pings und Gesten können helfen, aber sie ersetzen keine klare Absprache. Manche Gruppen funktionieren überraschend gut und ziehen gemeinsam los. Andere laufen sofort auseinander, und dann spielt man eher nebeneinander her als zusammen. In einem Extraction-Shooter ist das besonders gefährlich, weil ein schlechter Start die ganze Runde beschädigen kann.

Solo ist Marathon noch härter. Die Rook-Klasse ist zwar auf Einzelspieler ausgelegt, aber ohne Team fehlt ein großer Teil der Sicherheit. Jeder Fehler kann das Ende der Runde bedeuten. Dazu kommen ungleiche Begegnungen im PvP, weil Loadouts stark variieren können. Besonders Scharfschützen oder UESC-Gruppen können Solo-Runden schnell beenden. Das ist nicht automatisch unfair, aber es macht klar: Marathon ist kein Spiel, das allein seine beste Form zeigt.

Waffen und Bewegung tragen das Spiel

Wenn Marathon läuft, dann liegt das stark am eigentlichen Spielen. Das Gunplay ist einer der klarsten Pluspunkte. Waffen fühlen sich wuchtig an, Treffer haben spürbare Rückmeldung und Kämpfe gegen die UESC wirken nicht dünn. Auch die Anzeige besiegter Gegner ist deutlich genug, damit in hektischen Situationen klar bleibt, was passiert ist.

Menschliche Gegner fallen zunächst zu Boden, bevor sie endgültig ausgeschaltet und geplündert werden können. Das passt zum Druck des Spiels, weil ein Kampf nicht sofort vorbei ist, nur weil jemand getroffen wurde. Für das Team des gefallenen Spielers bleibt vielleicht noch ein Rettungsversuch. Für die Angreifer entsteht die Frage, ob sie den Moment zum Plündern nutzen oder lieber zuerst die Umgebung sichern.

Auch die Bewegung hilft Marathon sehr. Doppelsprünge, Boosts, Klettern und Slides geben den Runden ein gutes Tempo. Besonders Klassen wie der Vandal können schnell ihre Position ändern, aus gefährlichen Winkeln verschwinden oder aggressiv Druck machen. Das passt gut zu einem Spiel, in dem eine gute Flucht manchmal genauso wertvoll ist wie ein gewonnener Kampf.

Ganz sauber ist das aber nicht überall. Bei Interaktionen mit Objekten hakt es gelegentlich. Das kann beim Aufheben von Gegenständen oder beim Nutzen von Leitern passieren. In ruhigen Momenten ist das nur nervig. In einer Runde, in der andere Spieler in der Nähe sind, kann so etwas deutlich stärker stören.

Der Grafikstil gibt Marathon eine klare eigene Form. Er ist farbig, futuristisch und nicht einfach der nächste graubraune Militärlook. Gleichzeitig kann genau dieser Stil manchmal hinderlich sein. Das ist schade, weil Lesbarkeit in einem Spiel mit so viel Risiko extrem wichtig ist. Wenn du schnell erkennen musst, was gefährlich ist und wo du hinmusst, darf die Optik nicht im Weg stehen.

Fortschritt motiviert, Menüs bremsen

Neben Beute und Ausrüstung setzt Marathon auf Aufträge. Sechs Großkonzerne geben Aufgaben vor, die den Runden ein Ziel geben. Das ist wichtig, weil man sonst leicht nur herumläuft, sammelt und irgendwann verschwindet. Die Jobs sorgen dafür, dass du einen Plan hast.

Die Aufgaben selbst sind aber eher gewöhnlich. Terminals bedienen, Ressourcen sammeln oder bestimmte Gegner ausschalten: Das kennt man aus dem Genre. Marathon gewinnt hier nicht durch besonders überraschende Missionsideen, sondern durch die Verbindung mit dem eigenen Fortschritt. Wer Jobs erledigt, schaltet neue Fertigkeiten und Perks frei. Diese Upgrades bleiben dauerhaft erhalten und gehen nicht wie normale Ausrüstung verloren.

Dadurch entsteht ein besseres Gefühl von Fortschritt als nur durch volle Taschen. Selbst wenn eine Runde schiefgeht, kann das Spiel langfristig weiterziehen. Auch die Hintergrundgeschichte wird sinnvoller eingebunden, als man nach dem schweren Einstieg erwarten könnte. Sie steht nicht einfach neben den Systemen, sondern hängt an den Aufträgen und Fraktionen.

Deutlich schwächer sind die Menüs und die Verwaltung der Ausrüstung. Marathon bietet viele Möglichkeiten über Waffen-Mods und Extras, aber das Sortieren und Verschieben von Items macht wenig Spaß. Häufige Infotexte und teils schwer verständliche Hinweise machen es nicht leichter. Gerade bei einem Spiel, das ohnehin Geduld verlangt, ist das ein echter Bremsklotz.

Der Prämienpass mit der Premium-Währung LUX wirkt im Test weniger wichtig als diese grundsätzlichen Probleme. Nicht, weil er egal ist, sondern weil Marathon vorher schon an Bedienung und Einstieg arbeiten muss. Wer bereits mit Menüs und Erklärungen kämpft, wird durch zusätzliche Systeme nicht entspannter.

Für wen Marathon passt

Marathon ist kein leichter Einstieg in Extraction-Shooter. Es erklärt zu wenig klar, verlangt viel Abstimmung und kann vor allem allein ziemlich hart sein. Wenn du schnelle Erfolgserlebnisse suchst oder meistens mit zufälligen Mitspielern unterwegs bist, wirst du wahrscheinlich öfter Frust als Freude haben.

Mit einer festen Gruppe sieht das anders aus. Dann kann Marathon seine besten Seiten zeigen: riskante Beutezüge, starke Fluchten, gute Kämpfe und dieses kurze Durchatmen nach einer gerade noch geschafften Extraktion. Das Spiel hat genug Druck, damit Siege etwas bedeuten. Es hat aber auch genug sperrige Teile, um viele Spieler vorher zu verlieren.

Das Urteil fällt deshalb vorsichtig positiv aus. Marathon hat ein starkes Herz, aber eine raue Schale. Gunplay, Bewegung und Team-Momente tragen den Shooter weit. Onboarding, Menüs, einzelne Interaktionsprobleme und die noch begrenzte Abwechslung halten ihn zurück. Wenn Bungie hier weiter nachbessert, kann Marathon deutlich runder werden. Im jetzigen Zustand ist es vor allem ein Spiel für geduldige Teams, die den Stress einer Extraktion wirklich suchen.

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