Wolverine im gelb-schwarzen Anzug stürmt brüllend vor einem gelb-orangen Comic-Hintergrund nach vorn.
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Marvel’s Wolverine im Test: Logans Weg funktioniert ohne offene Welt

Von Ramona 5 Min. Lesezeit

Marvel’s Wolverine bleibt bewusst linear und gewinnt gerade dadurch an Fokus. Starke Kämpfe, sinnvolle Fundstücke und Logans Geschichte greifen meist gut ineinander.

Marvel’s Wolverine setzt nicht auf eine riesige Karte mit endlosen Symbolen, sondern auf ein klar geführtes Solo-Abenteuer. Das passt erstaunlich gut zu Logan: Seine Geschichte handelt von einer Figur, die Antworten sucht, aber immer wieder in Kämpfe gezogen wird, aus denen es keinen sauberen Ausweg gibt.

Insomniac Games nutzt diese Richtung konsequent. Die Reise führt durch lineare Abschnitte und aufwendig inszenierte Szenen, lässt aber genug Raum für kleine Umwege, Kämpfe mit unterschiedlichen Gegnern und Prüfungen, die mehr über Logans Vergangenheit erzählen. Nicht jede Idee trifft dabei gleich stark. Doch das Spiel findet einen überzeugenden Rhythmus zwischen harter Action, persönlicher Geschichte und überschaubarem Fortschritt.

Die Kämpfe tragen das Spiel

Wolverines Klauen sind keine Dekoration, und das Spiel versucht auch nicht, die Härte der Figur abzuschwächen. Die Gefechte wirken wuchtig und sehr brutal. Leichte, schwere und besondere Angriffe bilden die Grundlage, dazu kommen Ausweichmanöver, Paraden und Konter. Über den Talentbaum erweitert Logan sein Repertoire schrittweise und kann Angriffe zu Kombos verbinden.

Das System erreicht nicht die große spielerische Tiefe eines Devil May Cry 5 oder Ninja Gaiden 4. Es bietet aber genug Möglichkeiten, damit Kämpfe nicht bloß aus derselben Angriffskette bestehen. Besonders wichtig ist, dass die verschiedenen Gegnertypen dazu auffordern, die eigene Vorgehensweise anzupassen. Reavers, Kämpfer von Die Hand und Sentinel-Roboter verlangen jeweils etwas anderes.

Gerade deshalb funktioniert auch die Umgebung als Teil der Action. Zusätzliche Fähigkeiten der Levels laden dazu ein, nicht immer direkt loszustürmen. Die Gegner reagieren allerdings nicht durchgehend klug genug. Das nimmt einzelnen Auseinandersetzungen etwas Spannung, weil sich gute Optionen nicht immer gegen ein wirklich aufmerksames Gegnerverhalten beweisen müssen.

Abwechslung entsteht außerdem durch Schleichpassagen. In größeren Bereichen kann es sinnvoll sein, etwa Scharfschützen zuerst lautlos auszuschalten. Wer lieber offen kämpft, darf diese Möglichkeit aber ignorieren. Verfolgungssequenzen zu Fuß und mit Fahrzeugen lockern den Ablauf zusätzlich auf, ohne das Spiel in eine Sammlung völlig verschiedener Minispiele zu verwandeln.

Ein linearer Weg mit sinnvollen Umwegen

Dass Marvel’s Wolverine keine offene Welt besitzt, ist hier eher Stärke als Verzicht. Logan bewegt sich meist durch geradlinige Levels und Set-Pieces, die sein Abenteuer vorantreiben. Trotzdem lohnt es sich, neben dem Hauptweg nachzusehen, denn die Fundstücke verändern zum Teil auch das Spiel.

Whiskeyflaschen schalten passive Verbesserungen frei. So lässt sich etwa der Aufbau von Wut für Finisher beschleunigen. Materialkisten bringen alternative Outfits, die zugleich Logans Lebensenergie erhöhen. Das sind einfache Systeme, aber sie geben dem Erkunden einen klaren Nutzen, ohne daraus eine zweite Aufgabenliste zu machen.

Am spannendsten sind die Albtraumtüren. Dahinter liegen kurze Prüfungen wie Hindernisparcours mit Zeitlimit oder Überlebenskämpfe gegen Gegnerwellen. Als Belohnung gibt es Einblicke in Erinnerungen, die Logan eigentlich verdrängt hat. Die Herausforderungen verknüpfen also eine spielerische Aufgabe mit dem zentralen Thema der Geschichte. Genau dort zeigt sich, wie gut das Spiel seine Systeme zusammendenkt: Logans Vergangenheit ist nicht nur Stoff für Zwischensequenzen.

Optionale Nebenmissionen gibt es nicht. Wer in einem Superheldenspiel vor allem eine lange offene Welt und viele getrennte Aufträge sucht, wird das merken. Für die erzählte Reise ist die konzentrierte Struktur aber passend, weil sie den Blick auf Logan hält.

Eine Geschichte, die nicht immer gleich schnell ist

Zeitlich setzt die Handlung nach den drei Marvel’s-Spider-Man-Spielen an. Logan gehört noch nicht zu den X-Men, sondern ist wieder bei Team X, einer geheimen Mutanten-Spezialeinheit. Gemeinsam mit Mystique, Sabretooth und Nathaniel Essex steht er dem Wissenschaftler Bolivar Trask gegenüber, der Mutanten bekämpfen will. Zugleich sucht Logan nach Lücken in seiner eigenen Vergangenheit.

Die Geschichte greift Fragen nach Familie, Identität und Logans Umgang mit seinen Traumata auf. Sie nimmt sich damit viel vor und hat ihre stärksten Momente, wenn sie seine Beziehungen konkret werden lässt. Die Rivalität mit Sabretooth und die langsam aufgebaute Nähe zu Jean Grey gehören dazu. Beide Verbindungen tauchen auch im Spielgeschehen auf: Jean kann Gegner mit ihren Kräften festsetzen, während Sabretooth Logan gelegentlich Gegner ausschaltet, bevor dieser selbst zum Zug kommt.

Mit rund 16 Stunden ist die Kampagne etwas zu lang geraten. Vor allem in der Mitte verliert sie Tempo. Das Finale fängt diesen Eindruck aber wieder auf und setzt auf emotional wirksame Szenen. Die Zwischensequenzen sind dabei sehr sorgfältig gemacht. Auch die Bosskämpfe werden zum Ende hin anspruchsvoller und überraschen mit zusätzlichen Tricks. Quick-Time-Events in den Szenen der Kämpfe halten die Aufmerksamkeit hoch, auch wenn sie nicht jedem gefallen werden.

Starkes PS5-Spiel mit kleinen technischen Kanten

Auf der PlayStation 5 nutzt Marvel’s Wolverine die Funktionen des DualSense-Controllers auffällig gut. Haptisches Feedback begleitet Schritte, Sprünge und Treffer, wodurch die körperliche Seite der Figur noch deutlicher wird. Die Gesichter transportieren feine Regungen, und die Schauplätze in Kanada, Japan und Madripoor sind detailliert gestaltet.

Auch auf einer Standard-PS5 läuft das Spiel mit aktiviertem Raytracing flüssig. Größere technische Probleme traten im Test nicht auf. Ganz sauber ist der Eindruck dennoch nicht: Gelegentlich gibt es Clipping, selten nachladende Texturen oder Waffen besiegter Gegner, die kurz in der Luft hängen. In einzelnen Zwischensequenzen ist zudem die Tonmischung nicht ideal, sodass Teile der deutschen und englischen Synchronisation untergehen.

Marvel’s Wolverine trägt seine Figur vor allem über das Zusammenspiel seiner Teile. Die Kämpfe haben Kraft, die Suche nach Verbesserungen bleibt überschaubar und die Albtraumtüren geben Logans Vergangenheit spielerisch Bedeutung. Die etwas zähe Mitte und nicht immer aufmerksame Gegner bremsen den Weg zwar aus. Wer ein konzentriertes, hartes Actionspiel mit einer ernsteren Wolverine-Geschichte sucht, bekommt aber ein Abenteuer, das seinen Helden nicht hinter einer übervollen Welt versteckt.

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