Bei Physint geht es gerade nicht nur um den Wechsel zu Xbox Game Studios. Im Mittelpunkt steht vor allem eine Zahl, die riesig klingt: Rund 400 Millionen US-Dollar soll das Spionage-Action-Spiel laut dem Journalisten und Analysten Christopher Dring kosten. Bestätigt ist diese Summe aber nicht.
Das ist wichtig, weil über das Projekt gerade mehrere verschiedene Budgets durcheinandergeraten. Hideo Kojima hat selbst darauf hingewiesen, dass die Berichte zu den möglichen Kosten nicht offiziell bestätigt wurden. Fest steht dagegen: Kojima Productions entwickelt Physint weiter, Xbox fungiert nun als Publisher.
Die 400 Millionen sind kein bestätigter Preis
Dring nannte die Summe in einem Video von The Game Business. Sollte sie stimmen, wäre Physint eines der teuersten Spiele, an denen Xbox Game Studios je beteiligt war.
Trotzdem sollte man daraus noch keine feste Zahl machen. Dring erklärte nicht, woher seine Information stammt. Bei großen Spieleproduktionen können außerdem unterschiedliche Summen gemeint sein: ein früher Vertrag, eine Planung während der Entwicklung oder die Kosten, die am Ende tatsächlich entstehen.
Jason Schreier griff genau dieses Problem auf. Nach seinen Angaben kursieren mehrere Zahlen zu Physint, die sich auf verschiedene Phasen und mögliche Inhalte beziehen sollen. Dazu zählen offenbar auch Überlegungen, wie teuer das Spiel mit bestimmten bekannten Schauspielern geworden wäre. Eine Person bei Xbox mit direktem Wissen über den Deal soll Schreier zudem gesagt haben, dass Xbox das Projekt für deutlich weniger als 400 Millionen Dollar übernommen habe.
Die Schlagzeile mit der Rekordsumme ist also interessant, sagt aber noch nicht sicher aus, was Xbox wirklich bezahlt oder was die komplette Entwicklung bis zum Release kosten wird.
Warum der Publisher-Wechsel trotzdem groß ist
Kojima Productions hatte Physint Anfang 2024 gemeinsam mit PlayStation angekündigt. Inzwischen teilte Hideo Kojima mit, dass PlayStation die weitere Finanzierung nicht fortsetzen wollte. Weder Sony noch Kojima Productions nannten dafür offiziell Gründe.
Berichte aus der Branche brachten verpasste Entwicklungsziele und steigende Kosten als mögliche Ursachen ins Spiel. Das sind jedoch keine bestätigten Aussagen der beteiligten Unternehmen. Genau deshalb sollte man auch die jetzige Budgetdebatte vorsichtig lesen: Sie beschreibt offenbar komplizierte Verhandlungen und Erwartungen, nicht einfach eine Rechnung mit einem einzigen Endbetrag.
Kojima erklärte außerdem, die Situation sei für sein Studio ernst gewesen. Gleichzeitig betonte er, Kojima Productions sei gesund und profitabel. Die Arbeit an Physint gehe gemeinsam mit Xbox weiter, das Verhältnis zu PlayStation bleibe stark. Laut Kojima kam es im Zuge des Publisher-Wechsels auch zu keinen Entlassungen.
Für Xbox zählt mehr als eine große Zahl
Für Fans ist erst einmal entscheidend, dass Physint nach dem Ende der PlayStation-Finanzierung nicht eingestellt wurde. Ein neuer Publisher hält das Projekt am Leben. Wie genau das Spiel aussehen wird, wann es erscheint und welche Plattformen geplant sind, geht aus den aktuellen Angaben aber nicht hervor.
Die Berichte passen außerdem zu einer größeren Diskussion über die Ausrichtung von Xbox. Dring zufolge will Microsoft sich stärker auf große Blockbuster etablierter Marken konzentrieren und sich von kleineren AA- und Indie-Produktionen entfernen. Falls Physint tatsächlich ein besonders teures Prestigeprojekt wird, wäre der Deal dafür ein auffälliges Beispiel.
Noch ist die wichtigste Zahl allerdings offen. Xbox hat kein Budget genannt, Kojima Productions ebenfalls nicht. Bis es eine offizielle Aussage gibt, sollte die 400-Millionen-Schätzung eher als Teil einer laufenden Debatte gesehen werden als als feststehende Rekordinvestition.