Hideo Kojimas Spionage-Thriller Physint wird nach dem Rückzug von Sony nicht eingestellt: Xbox Game Studios finanziert die Entwicklung künftig weiter. Für Kojima Productions ist das mehr als ein Wechsel auf dem Papier. Das Studio konnte die Arbeit am Projekt offenbar sichern, ohne dafür Mitarbeitende entlassen zu müssen.
Kojima hatte am 10. September erklärt, dass Sony beziehungsweise PlayStation Studios ihm schon im Juni mitgeteilt habe, die Finanzierung von Physint beenden zu wollen. Das Spiel war Anfang 2024 angekündigt worden. Nun übernimmt Microsofts Xbox-Sparte die Finanzierung, nachdem Kojima Productions einen neuen Partner gesucht hatte.
Das Team musste nicht auseinanderbrechen
Besonders wichtig ist Kojimas Aussage zu den Folgen für sein Studio. Er schilderte, dass ein unabhängiges Team bei der Streichung eines großen Projekts schnell in eine sehr schwierige Lage geraten kann. Nach dem Gespräch mit Sony habe er deshalb zuerst die Teamleiter informiert und ihnen gesagt, dass er Physint weiterführen und einen neuen Publisher finden wolle.
Die Sorge war verständlich: Für Physint waren bereits Entwickler eingestellt worden, außerdem hatte Kojima nach eigenen Angaben schon mit Schauspielern, Künstlern und weiteren Beteiligten gesprochen. Eine Absage hätte also nicht nur ein Konzept betroffen, sondern viele Menschen, die schon mit dem Projekt verbunden waren.
Laut Kojima kam es aber nicht zu Entlassungen. Stattdessen arbeiteten die für Physint verpflichteten Entwickler vorübergehend am Horrorprojekt OD. Auch dieses Spiel entsteht mit Xbox Game Studios. So konnte Kojima Productions die Zeit nutzen, während die Suche nach einer neuen Finanzierung lief.
Das klingt zunächst nach einer internen Lösung, ist für Fans aber entscheidend. Bei einem Publisher-Wechsel denkt man schnell nur daran, welches Logo später auf dem Cover steht. Für die Entwicklung selbst zählt aber auch, ob ein Team weiterarbeiten kann oder ob wichtige Leute und bereits vorbereitete Arbeit verloren gehen. Bei Physint scheint der Übergang zumindest ohne diesen harten Bruch gelungen zu sein.
Kojima rechnete nicht mit der Streichung
Im Gespräch mit der Washington Post sagte Kojima, er habe nicht erwartet, dass Physint gestrichen werden könnte. Er hält den Titel nach eigener Aussage sogar für das Spiel mit dem größten Verkaufspotenzial, das er machen könne.
Gleichzeitig betonte er, dass er keinen Groll gegen Sony hege. Er hätte nur gern früher erfahren, dass die Finanzierung auf der Kippe steht. Kojima war offenbar davon ausgegangen, dass die Zusammenarbeit für dieses Projekt fest vereinbart sei, auch wenn der frühere PlayStation-Chef Jim Ryan bereits nicht mehr im Amt war.
Dass Kojima das Projekt nach der Absage noch einmal am Konzept überarbeitete, zeigt auch: Physint wird nicht einfach exakt dort fortgesetzt, wo die Entwicklung im Juni stand. Wie stark sich daraus etwas am Spiel selbst verändert, ist bisher nicht bekannt. Konkrete Details zu Inhalt, Aufbau oder einem Termin hat Kojima in diesem Zusammenhang nicht genannt.
Die wichtigste offene Frage sind die Plattformen
Der neue Geldgeber löst noch nicht automatisch die Frage, wo Physint später erscheint. Als Sony das Projekt finanzierte, lag eine Veröffentlichung auf PlayStation nahe. Mit Xbox Game Studios als neuem Partner sind nun mehrere Wege denkbar.
Eine Veröffentlichung für mehrere Plattformen einschließlich PlayStation ist weiter möglich. Ebenso denkbar wäre ein Release nur für PC und Xbox. Bestätigt ist davon bisher nichts. Wer auf eine bestimmte Konsole hofft, sollte die Rettung des Projekts deshalb noch nicht mit einer Plattformzusage verwechseln.
Für Kojima Productions zählt im Moment vor allem, dass Physint weiterlebt und das Team dafür nicht aufgelöst werden musste. Die Plattformfrage bleibt offen, aber aus einem gefährdeten Projekt ist wieder eines geworden, an dem konkret weitergearbeitet wird.