Die Protestaktion PSBlackout soll nicht nach einer Woche enden. Die Initiatoren rufen dazu auf, PlayStation-5-Konsolen auf unbestimmte Zeit ausgeschaltet zu lassen, bis Sony seine Pläne für neue Spiele ohne Disc-Veröffentlichungen ab 2028 ändert.
Damit verschiebt sich der Charakter der Aktion deutlich. Aus einem zeitlich klar begrenzten Boykott wird ein Aufruf, dauerhaft auf die eigene Konsole zu verzichten. Das macht die Forderung sichtbarer, legt aber auch offen, woran ihr Einfluss gemessen werden muss: nicht an der Ankündigung, sondern daran, wie viele Menschen tatsächlich länger mitmachen.
Die Woche ist nur noch der Einstieg
Begonnen hatte PSBlackout am 23. August als globale Aktion bis zum 30. August. Ziel war es, aktive Nutzerzahlen und tägliche Nutzung auf PS5 zu senken. Nach dem ersten Tag erklärten die Organisatoren aber, der genannte Zeitraum sei lediglich eine Mindestdauer. Wer kann, soll den Verzicht darüber hinaus fortsetzen.
Der ausführliche Aufruf ist im Beitrag von Does It Play? auf X nachzulesen. Der Account setzt sich für den Erhalt physischer Medien ein und gehört zu den Stimmen hinter der Aktion.
Die Verlängerung reagiert auf einen einfachen Einwand: Ein Unternehmen kann eine vorher bekannte, kurze Pause leichter einplanen. Ein offenes Ende soll diesen Effekt verhindern. Ob es gelingt, hängt allerdings von einer breiten und anhaltenden Beteiligung ab. Genau dafür gibt es bislang keinen Beleg.
Warum sich der Frust nicht nur um Discs dreht
Der Anlass bleibt Sonys Ankündigung, ab 2028 keine neuen PlayStation-Spiele mehr auf Disc herauszubringen. Kritiker verbinden damit mehrere Sorgen: Sie fürchten weniger Kontrolle über gekaufte Spiele, ein Ende des Gebrauchtmarkts und höhere Preise im PlayStation Store.
In der Diskussion bündelt der Blackout außerdem älteren Ärger. Genannt werden die Schließungen von Japan Studio und Bluepoint Games sowie gescheiterte Live-Service-Versuche. Das erklärt, warum die Aktion für manche mehr als eine Debatte über ein Vertriebsformat geworden ist. Für die konkrete Forderung ist trotzdem entscheidend, dass sie auf die Disc-Pläne zielt. Sony hat laut den vorliegenden Angaben bereits deutlich gemacht, den Weg zum reinen Digitalvertrieb nicht wieder verlassen zu wollen. Die Protestierenden verlangen also keine kleine Anpassung, sondern eine Änderung eines klar benannten Kurses.
Der dauerhafte Verzicht wird schnell konkret
Eine Konsole eine ruhige Woche lang nicht einzuschalten, ist etwas anderes als Monate darauf zu verzichten. Schon im September stehen mit The Blood of Dawnwalker, Onimusha: Way of the Sword, Marvel’s Wolverine, Control Resonant und Silent Hill: Townfall mehrere erwartete Veröffentlichungen an. Phantom Blade Zero folgt im Oktober, GTA 6 ist für November genannt.
Gerade diese Termine machen aus dem PSBlackout einen Belastungstest für seine Unterstützer. Wer den Aufruf konsequent befolgt, verzichtet nicht nur auf laufende Spiele, sondern möglicherweise auch auf neue Titel, über die im Freundeskreis oder online gesprochen wird. Das ist keine Randfrage, sondern der Punkt, an dem ein Dauerprotest seine Reichweite entweder beweist oder verliert.
Für Spieler, die die Disc-Pläne kritisch sehen, entsteht damit eine praktische Entscheidung. Reicht eine Teilnahme über die erste Woche hinaus, oder soll der Protest ein symbolisches Signal bleiben? Beide Haltungen können denselben Unmut ausdrücken, haben aber sehr unterschiedliche Folgen für die Sichtbarkeit der Aktion.
Nutzerzahlen wären das entscheidende Signal
Der Boykott setzt darauf, dass Sony einen länger anhaltenden Rückgang bei aktiven Nutzern bemerkt, obwohl sich aus den verfügbaren Angaben nicht ablesen lässt, wie viele Konsolen tatsächlich ausgeschaltet bleiben. Diese Annahme ist nachvollziehbar, denn genau dort soll die Aktion ansetzen. Sie garantiert aber keine Reaktion des Unternehmens.
Analysten halten es für unwahrscheinlich, dass ein großer Teil der PS5-Besitzer die Konsole über Monate ausgeschaltet lässt. Ohne diese Größenordnung dürfte sich der Effekt nur schwer von normalen Schwankungen unterscheiden lassen, zumal der Aufruf keine Zahlen zur Beteiligung nennt und sich auch nicht erkennen lässt, ob ausgeschaltete Konsolen über den gesamten Zeitraum ungenutzt bleiben. Sony könnte die Entwicklung zwar beobachten, doch eine Stellungnahme oder ein Zugeständnis folgt daraus nicht automatisch.
PSBlackout hat sich damit von einer Aktionswoche zu einer Frage der Ausdauer entwickelt. Erst die kommenden Wochen werden zeigen, ob aus dem lauten Aufruf eine Beteiligung wird, die über die eigene Community hinaus sichtbar bleibt.