Resident Evil 7 wurde offenbar nicht deshalb so anders als sein Vorgänger, weil von Anfang an ein klarer Plan dahinterstand. Der ehemalige Capcom-Produzent Miguel Corti beschreibt vielmehr ein Projekt, das mehrfach die Richtung wechselte, ehe ein neues Team und ein neuer Director es grundsätzlich neu aufsetzten. Erst dann entstand die Ego-Perspektive, die heute so eng mit dem Spiel verbunden ist.
Corti blickte in einem Beitrag auf Bluesky auf diese Phase zurück. Seine Aussagen sind natürlich ein Rückblick eines früheren Beteiligten und keine vollständige Dokumentation der Entwicklung. Sie zeigen aber gut, warum Resident Evil 7 für die Reihe ein so großer Schnitt wurde: Es ging nicht nur um eine neue Kamera, sondern darum, nach Resident Evil 6 wieder eine andere Art von Horror zu finden.
Der Neustart kam nicht sofort
Nach Cortis Schilderung war Capcoms Führung zunächst mit Resident Evil 6 zufrieden und wollte den bisherigen Weg weitergehen. Im Entwicklerteam sah das offenbar anders aus. Dort bestand der Wunsch, wieder die Art von Kritikerlob zu bekommen, die andere Spiele erhielten, obwohl diese laut Corti selbst von Resident Evil beeinflusst waren.
Die frühen Ideen für Resident Evil 7 sollen dabei sogar noch komplizierter gewesen sein als die Handlung von Resident Evil 6. Corti sagte, es habe so viele verschiedene Fassungen gegeben, dass irgendwann unklar gewesen sei, welche Version überhaupt aktuell war. Das klingt nicht nach einem kleinen Kurswechsel, sondern nach einem Projekt, das erst seine eigene Form finden musste.
Die entscheidende Vorgabe lautete schließlich, Resident Evil 7 komplett neu zu beginnen. Ein anderes Entwicklerteam und ein neuer Director übernahmen. Aus diesem Wechsel entstand die Idee, die Reihe erstmals konsequent aus der Ego-Perspektive zu erzählen.
Warum The Last of Us dabei wichtig war
Corti nennt The Last of Us als eines der Spiele, deren Stärken das Team in mehreren Entwicklungsphasen betrachtete. Das heißt nicht, dass Resident Evil 7 einfach ein Nachbau werden sollte. Seine Aussage beschreibt eher den Druck, sich wieder daran messen zu lassen, wie andere große Spiele Spannung und Anerkennung erzeugten.
Für Resident-Evil-Fans war die Ego-Perspektive trotzdem ein ziemlich harter Bruch. Gerade deshalb ist sie mehr als ein technisches Detail. Sie rückte das Geschehen näher an die Spielfigur und passte zu dem Versuch, die Serie nach dem stärker auf Action ausgerichteten Vorgänger anders wirken zu lassen.
Corti zufolge entstehen viele ungewöhnliche Ideen der Reihe ohnehin daraus, dass einzelne Leute im Team von einem Gedanken überzeugt sind. Bei Resident Evil 7 war diese Freiheit aber offenbar nicht genug. Erst Diskussionen, Umstellungen und das Verwerfen früherer Pläne machten aus einer Idee ein Spiel, das am Ende funktionierte.
Der Erfolg brauchte Zeit
Die positiven Kritiken bedeuteten laut Corti nicht, dass Resident Evil 7 sofort ein Verkaufserfolg war. Er erklärt den zunächst verhaltenen Start mit der Verunsicherung rund um das neue Konzept. Langjährige Fans hätten nicht genau gewusst, was sie von der Ego-Perspektive halten sollten. Andere hätten sich entweder nicht für Horror interessiert oder das Spiel schwer einschätzen können.
Erst später gewann Resident Evil 7 deutlich an Bekanntheit, auch durch Resident Evil: Village und die dazugehörigen Memes. Bis Ende Juni 2026 verkaufte sich das Spiel mehr als 18 Millionen Mal.
Die Geschichte hinter Resident Evil 7 ist damit auch eine Erinnerung daran, dass eine große Serienänderung nicht sofort leicht zu erklären ist. Für Capcom war der Neustart offenbar riskant und anfangs keineswegs eindeutig erfolgreich. Gerade die vielen Korrekturen führten aber zu einem Resident Evil, das sich klar von seinem Vorgänger absetzte.