Der neue Resident Evil-Film von Zach Cregger startet heute in den deutschen Kinos und setzt schon vor dem Publikumstest eine ungewöhnliche Marke: Bei Rotten Tomatoes liegt er derzeit bei 97 Prozent Zustimmung aus 86 Kritiken. Damit wäre er der bisher bestbewertete Realfilm, der auf einem Videospiel basiert.
Die Zahl ist vor allem deshalb auffällig, weil Videospiel-Verfilmungen bei Kritikern oft sehr unterschiedlich ankommen. Noch spannender ist aber, welchen Weg dieser Neustart offenbar wählt: Er übernimmt Ton und Atmosphäre von Resident Evil, erzählt jedoch keine bekannte Geschichte der Spiele nach und nutzt keine vertrauten Figuren.
Die Marke wird nicht einfach nacherzählt
Viele Verfilmungen stehen vor derselben schwierigen Frage: Soll der Film möglichst nah an einer bekannten Vorlage bleiben, oder braucht er eine eigene Handlung? Der neue Resident Evil-Film setzt laut den bisherigen Kritiken klar auf die zweite Variante. Bekannte Charaktere und etablierte Handlungsstränge bleiben außen vor.
Das ist ein mutiger Ansatz für eine Reihe, deren Spiele viele prägende Figuren und Geschichten haben. Gleichzeitig kann genau diese Entscheidung dem Film mehr Platz geben, eine eigene Horrorhandlung aufzubauen. Entscheidend scheint dabei nicht zu sein, einzelne Szenen oder Namen wiederzuerkennen. Wichtiger ist, ob sich die Welt nach Resident Evil anfühlt.
Die bisher gesammelten Kritiken legen nahe, dass dieser Ton bei vielen Rezensenten funktioniert. Der Film wird dort unter anderem als sehr wirkungsvoll beschrieben. Die hohe Wertung bedeutet natürlich nicht automatisch, dass jede Person im Kino dieselbe Meinung haben wird. Sie zeigt aber, dass der Neustart bei der Fachpresse deutlich besser ankommt als fast alle vergleichbaren Spielefilme.
Die aktuelle Bewertung lässt sich auf der Filmseite bei Rotten Tomatoes nachsehen. Da dort weitere Kritiken hinzukommen können, kann sich der Wert noch verändern.
Deutlich vor Sonic und den älteren Resident-Evil-Filmen
Bis zu diesem Start hielt Sonic the Hedgehog 3 mit 86 Prozent den Bestwert unter den Realfilm-Adaptionen von Videospielen. Auf denselben Wert kam auch Werewolves Within. Der neue Resident Evil-Film liegt mit seinen derzeit 97 Prozent also merklich darüber.
Das ist keine Rangliste mit Animationsfilmen oder Serien. Es geht nur um Filme mit realen Darstellern. Selbst innerhalb dieser Auswahl ist eine so hohe Zustimmung selten. Weitere positiv bewertete Beispiele liegen deutlich darunter: Pokémon Detective Pikachu erreichte 68 Prozent, Mortal Kombat II und der erste Sonic the Hedgehog jeweils 64 Prozent.
Der Abstand wird noch größer, wenn man auf frühere Resident Evil-Filme schaut. Der bisherige Höchstwert der Reihe lag bei The Final Chapter bei 39 Prozent. Der Film von 2002 kam auf 36 Prozent. Apocalypse und Afterlife wurden mit Werten zwischen 18 und 24 Prozent deutlich schwächer aufgenommen.
Der Neustart ist damit nicht nur eine starke Ausnahme unter Videospiel-Filmen. Er hebt sich auch klar von allen bisherigen Kinofilmen der eigenen Reihe ab.
Jetzt zählt die Reaktion im Kino
Für Fans dürfte vor allem interessant sein, ob der Verzicht auf bekannte Gesichter und Geschichten auch beim Publikum funktioniert. Wer eine direkte Umsetzung eines bestimmten Spiels erwartet, bekommt offenbar etwas anderes. Wer vor allem die bedrückende Stimmung der Reihe im Kino sehen möchte, könnte genau darin den Reiz finden.
Die Kritiken geben dem Film einen sehr starken Start. Ob daraus auch ein Erfolg bei den Kinobesuchern wird, zeigt sich erst nach dem deutschen Start. Sicher ist schon jetzt: Mit seiner aktuellen Wertung hat Resident Evil die Erwartungen an Spieleverfilmungen ein Stück nach oben geschoben.