Capcom sah die Zukunft von Street Fighter während der Entwicklung des fünften Teils ernsthaft gefährdet. Produzent Shuhei Matsumoto zufolge befürchtete das Team, die Kampfspielreihe könne innerhalb von zehn Jahren verschwinden, falls sich nichts ändere. Street Fighter 6 sollte deshalb nicht bloß bekannte Fans zurückholen, sondern vor allem Menschen erreichen, die bisher kaum selbst gespielt hatten.
Das erklärt auch eine der auffälligsten Entscheidungen des sechsten Teils: Die vereinfachte Modern-Steuerung war nicht nur eine zusätzliche Option. Sie gehörte zu einem größeren Plan, mit dem Capcom die Hürde vor den ersten Kämpfen senken wollte.
Bekanntheit allein reichte Capcom nicht mehr
Street Fighter 5 hatte zum Start mit deutlicher Kritik zu kämpfen. Langjährige Fans bemängelten unter anderem fehlende Inhalte, die kleine Kämpferauswahl und Schwierigkeiten mit den Online-Servern. Nach dem Erfolg von Street Fighter 4 traf diese Reaktion das Team besonders hart.
Matsumoto beschrieb im Gespräch mit Karin Ohira noch ein weiteres Problem: Viele Leute kannten Street Fighter zwar, spielten die Reihe aber nicht mehr selbst. Gleichzeitig war ein großer Teil der aktiven Fans inzwischen zwischen 35 und 45 Jahre alt. In der Spielhallenzeit hatte die Serie dagegen viele junge Spieler erreicht.
Für Capcom entstand dadurch ein klares Risiko. Niemand konnte sicher wissen, wie lange die bisherigen Fans dabeibleiben würden. Ohne jüngere Neuzugänge hätte Street Fighter trotz seines bekannten Namens langsam an Bedeutung verlieren können. Hinzu kam, dass klassische Kampfspiele stärker mit Live-Service-Multiplayer-Spielen konkurrierten.
Street Fighter 6 sollte wie ein Neuanfang funktionieren
Im Jahr 2020 verließ Yoshinori Ono, der die Serie lange begleitet hatte, Capcom. Anschließend lag die Verantwortung für Street Fighter bei Produzent Matsumoto und Director Takayuki Nakayama. Für den sechsten Teil behandelte das neue Führungsteam die Marke gedanklich so, als wäre sie der aktuellen Generation noch völlig unbekannt.
Daraus entstand ein anderer Einstieg. Die Modern-Steuerung reduziert komplizierte Eingaben, weitere Spielmodi sollen unterschiedliche Spieler ansprechen und auch Teile des Kampfsystems wurden leichter verständlich gestaltet. Wichtig ist dabei: Capcom wollte die Tiefe nicht einfach nur erklären, sondern mehr Menschen überhaupt bis zu dem Punkt bringen, an dem sie diese entdecken können.
Die gemeldeten Verkaufszahlen sprechen dafür, dass der Kurs viele Spieler erreicht hat. Street Fighter 6 kam im vergangenen Sommer auf sieben Millionen verkaufte Exemplare und lag damit deutlich vor Street Fighter 5. Die Zahl beweist nicht, dass jede einzelne Änderung dafür verantwortlich war. Sie zeigt aber, warum Capcoms Entscheidung wichtig war: Der sechste Teil sollte die Reihe nicht nur fortsetzen, sondern ihre Spielerschaft erneuern.