„Der Super Mario Galaxy Film“ ist im Kino ein riesiger Erfolg, obwohl viele Kritiker nicht besonders warm mit ihm werden. Genau dieser Abstand macht die Nachricht spannend: Auf Rotten Tomatoes stehen 42 Prozent positive Kritikerstimmen einer Zuschauerwertung von 88 Prozent gegenüber.
Dazu kommt: Der Film feierte Anfang April seine Premiere, legte den bisher stärksten Kinostart hin und war Mitte Mai schon nah an der Milliardenmarke. Für Nintendo ist das also kein kleines Fan-Ding, sondern ein sehr großer Kinoerfolg.
Warum klappt das, wenn die Fachpresse deutlich skeptischer ist? Der japanische Filmwissenschaftler Hiroaki Ito von der Universität Kumamoto sieht darin keinen Zufall. Laut seiner Analyse stellt Nintendo bei seinen Filmen nicht die Kritiker an erste Stelle, sondern die Fans.
Warum der Film für Fans besser funktioniert
Ito beschreibt den Film als sehr vorsichtig gebaut. Das Tempo ist hoch, die Figuren bleiben eher simpel und die Geschichte dient vor allem dazu, viele bekannte Mario-Momente miteinander zu verbinden. Für Kritiker kann genau das schnell zu dünn wirken.
Für viele Fans ist aber vermutlich genau dieser Punkt wichtig. Sie wollen Mario, bekannte Figuren, bunte Welten und Anspielungen, die sofort verständlich sind. Wenn ein Film das ohne große Experimente liefert, kann er beim Publikum stark funktionieren, auch wenn er filmisch nicht besonders mutig ist.
Das heißt nicht, dass Kritik automatisch falsch ist. Wenn jemand eine tiefere Story oder stärkere Figuren erwartet, findet er hier wohl weniger. Aber Nintendo scheint diese Gefahr bewusst einzugehen. Lieber ein Film, der für Fans leicht passt, als ein Film, der mehr wagt und dabei das Mario-Gefühl beschädigen könnte.
Nintendo will kein zweites 1993
Ito verweist auch auf den alten „Super Mario Bros.“-Realfilm von 1993. Damals wich der Film stark von der Vorlage ab. Nintendo hatte den Hollywood-Produzenten sehr viel kreative Freiheit gegeben. Das Ergebnis gilt bis heute als Beispiel dafür, wie schwierig eine Spielverfilmung werden kann, wenn sie sich zu weit vom Original entfernt.
Nach Itos Einschätzung hat Nintendo daraus gelernt. Die Marke soll geschützt werden. Deshalb wirken die neuen Mario-Filme sehr kontrolliert. Sie sollen möglichst niemanden abschrecken, der Mario schon mag.
Das erklärt auch, warum die Kluft zwischen Kritikern und Publikum nicht automatisch ein Problem für Nintendo sein muss. Wenn fast neun von zehn Zuschauern positiv reagieren und der Film gleichzeitig an der Milliardenmarke kratzt, spricht aus Unternehmenssicht wenig dafür, plötzlich alles umzubauen.
Was das für kommende Nintendo-Filme bedeutet
Für Fans ist die wichtigste Frage jetzt: Wird Nintendo bei weiteren Filmen mutiger? Nach den aktuellen Zahlen wirkt das eher unwahrscheinlich.
Ein dritter „Super Mario“-Film soll 2029 in die Kinos kommen. Hinweise darauf kamen zuletzt von Bowser-Sprecher Jack Black und Toad-Sprecher Keegan-Michael Key. Außerdem stehen weitere Nintendo-Projekte fürs Kino im Raum, darunter der bereits datierte Zelda-Film für 2027 und ein Animationsfilm im April 2028, bei dem Gerüchte auf Donkey Kong zeigen.
Wenn Nintendo die gleiche Linie weiterfährt, bekommen Fans wahrscheinlich Filme, die sehr nah an den bekannten Marken bleiben. Das kann cool sein, wenn du genau diese Welten auf der großen Leinwand sehen willst. Wer aber hofft, dass Nintendo im Kino bald deutlich mehr Risiko eingeht, sollte die aktuellen Mario-Zahlen genau anschauen. Erfolg ist hier das stärkste Argument gegen große Experimente.