Das Remake des ersten The Witcher muss offenbar länger warten. CD Projekt RED zufolge kann Fool’s Theory die Vollproduktion noch nicht einfach hochfahren, weil wichtige technische Grundlagen zuerst für The Witcher 4 entstehen sollen.
Das ist mehr als eine übliche Verschiebung im Kalender. Beide Spiele setzen erstmals innerhalb der Reihe auf Unreal Engine 5. Der vierte Hauptteil soll dabei die Basis schaffen, auf der das Remake anschließend aufbauen kann. Für Fans des Originals bedeutet das: Das Projekt ist weiter vorgesehen, steht aber nicht an der Spitze der aktuellen Entwicklungsreihenfolge.
Erst die neue Basis, dann die Neuauflage
Ein Remake klingt oft nach einem klar abgegrenzten Vorhaben: altes Spiel nehmen, modernisieren, veröffentlichen. Im Fall von The Witcher hängt die Neuauflage aber direkt an einem größeren Umbau der Reihe. Das Team arbeitet nicht mit einer bereits fertigen technischen Grundlage, sondern wartet darauf, dass sie im Zuge von The Witcher 4 aufgebaut wird.
Damit erklärt sich auch, warum Fool’s Theory nicht dauerhaft allein am Remake arbeitet. Das Studio ist laut den vorliegenden Angaben in die Entwicklung des vierten Teils eingebunden. Diese Mitarbeit soll nötig sein, weil technische Abhängigkeiten zwischen beiden Projekten bestehen.
Für das Remake ist das zunächst enttäuschend, aber die Begründung ist nachvollziehbar: Wenn zwei große Spiele dieselbe neue technische Basis nutzen, kann es sinnvoll sein, die grundlegenden Systeme nicht parallel an mehreren Stellen fertigzustellen. Sonst müssten Teams möglicherweise Arbeiten wiederholen oder sich später an Änderungen anpassen, die noch nicht feststanden.
Wichtig ist dabei die Formulierung: Von einer Einstellung des Remakes ist keine Rede. CD Projekt RED beschreibt vielmehr eine Reihenfolge, in der The Witcher 4 zuerst die Voraussetzungen liefern soll. Einen neuen Termin für die Neuauflage gibt es allerdings nicht.
Fool’s Theory arbeitet in der Zwischenzeit an Witcher 3
Die Wartezeit auf die technischen Bausteine bedeutet nicht, dass Fool’s Theory ohne Aufgabe bleibt. Das Studio entwickelt derzeit auch Songs of the Past, eine dritte Story-Erweiterung für The Witcher 3.
Das ist überraschend, weil CD Projekt RED den dritten Teil nach eigener Einschätzung bereits als abgeschlossenes Kapitel betrachtet hatte. Für die Erweiterung wurde nach Angaben aus dem Briefing eine ältere Geschichte aus Archivmaterial aufgegriffen. Sie bildet nun die Grundlage für den neuen Inhalt.
Geplant ist Songs of the Past für das kommende Jahr. Dadurch bekommt die Reihe noch einmal Nachschub, während der nächste große Schritt wesentlich weiter entfernt liegt. The Witcher 4 ist derzeit für 2028 vorgesehen.
Für Spieler, die vor allem auf Geralts erstes Abenteuer in neuer Form warten, ändert sich damit vor allem die Erwartung: Das Remake ist kein Projekt für die nahe Zukunft. Vorher muss der vierte Teil nicht nur inhaltlich vorankommen, sondern auch die Technik bereitstellen, die das ältere Spiel tragen soll.
Was die Nachricht für das Remake bedeutet
Der Vorteil dieser Reihenfolge könnte sein, dass das Remake später auf einem Fundament entsteht, das bereits für ein neues Hauptspiel der Reihe entwickelt wurde. Es soll also nicht bloß optisch modernisiert werden, sondern offenbar mit denselben neuen technischen Werkzeugen arbeiten.
Der Nachteil liegt auf der Hand: Jeder Fortschritt beim Remake hängt zunächst daran, wie weit The Witcher 4 mit dieser Grundlage kommt. Weil für das Remake kein Veröffentlichungszeitraum genannt wurde, lässt sich auch nicht seriös abschätzen, wie groß der Abstand zwischen beiden Spielen am Ende sein wird.
Bis dahin verschiebt sich der Blick der Reihe auf zwei andere Vorhaben: die zusätzliche Geschichte für The Witcher 3 und den Aufbau des nächsten Hauptteils. Das Remake bleibt angekündigt, aber sein eigentlicher Startpunkt liegt offenbar erst hinter einem wichtigen technischen Meilenstein von The Witcher 4.