Ein früherer Valve-Autor hat bestätigt, dass ein angeblicher Leak zu Left 4 Dead 2 vom Studio selbst geplant war. Chet Faliszek zufolge veröffentlichte Valve den Trailer damals absichtlich inoffiziell, weil die US-Prüfstelle ESRB keine offizielle Veröffentlichung in dieser Form erlaubte.
Das ist heute vor allem deshalb interessant, weil Leaks bei großen Spielen oft als Kontrollverlust gelten. In diesem Fall sollte der Leak offenbar genau das Gegenteil sein: Valve wollte das Material zeigen, ohne es vorher für eine offizielle Freigabe entschärfen zu müssen.
Der Trailer sollte ohne Freigabe sichtbar werden
Faliszek berichtete in einem Video auf seinem YouTube-Kanal von den Schwierigkeiten rund um die Veröffentlichung von Left 4 Dead 2. Valve habe zu dieser Zeit nicht nur mit der ESRB gestritten, sondern auch mit mehreren Ländern. Anlass waren laut Faliszek Gewaltinhalte und Teile der Sprache im Spiel, die entschärft werden mussten.
Der angeblich geleakte Clip war offenbar der Zombie-Survival-Guide-Trailer aus dem Oktober 2009, also ungefähr einen Monat vor dem Erscheinen des Spiels. Darin kämpfen Coach, Ellis, Nick und Rochelle mit Schusswaffen und Kettensägen gegen große Zombiehorden. Später wurde das Material als Intro des fertigen Spiels verwendet.
Valve musste den Trailer damit nicht als reguläres Werbevideo durch den Freigabeprozess bringen. Für Fans sah die Aktion damals wohl wie ein typischer Fund aus dem Netz aus. Erst viele Jahre später wird klarer, dass das Studio selbst hinter dem angeblichen Leak stand.
Gewalt war auch beim Marketing ein Problem
Der Trailer war nicht der einzige Streitpunkt. Schon ein Werbemotiv zu Left 4 Dead 2 hatte Ärger ausgelöst. Es zeigte eine Hand, bei der drei Finger abgebissen waren. Die zwei übrigen Finger sollten die Zahl Zwei darstellen.
Valve passte das Bild anschließend an. In der neuen Version fehlten die Finger nicht mehr, sondern waren eingeklappt. Das wirkt wie ein kleines Detail, zeigt aber, wie genau die Inhalte rund um das Spiel geprüft wurden. Es ging nicht nur darum, was Spieler später im Match sehen, sondern auch darum, welche Bilder vor dem Kauf verbreitet werden durften.
Faliszek nannte außerdem ähnliche Fälle bei Dark Sector und The Darkness. Bei beiden Spielen sollten bereits kursierende Trailer entfernt werden, weil sie für durchschnittliche Konsumenten als anstößig eingestuft wurden. Solche Konflikte waren also nicht nur ein Valve-Problem, sondern gehörten damals bei besonders brutalen Spielen zum Marketing dazu.
Was davon für Left 4 Dead 2 blieb
In den USA erhielt Left 4 Dead 2 letztlich die ESRB-Einstufung M. Damit blieb dem Spiel das deutlich strengere AO-Rating erspart, das zwei Jahre zuvor bei Manhunt 2 für viel Aufmerksamkeit gesorgt hatte.
Für Deutschland ist die Geschichte ebenfalls nicht ganz abgeschlossen. Die ungeschnittene internationale Fassung ist hier seit 2021 für Steam-Kunden erhältlich, nachdem Valve eine erneute Bewertung durch Bundesprüfstelle und USK beantragt hatte. Auf PlayStation ist diese Fassung laut den vorliegenden Angaben weiterhin nicht verfügbar.
Die Enthüllung macht aus dem alten Trailer keinen neuen Skandal. Sie zeigt aber, wie ungewöhnlich die Lage für Valve damals gewesen sein muss. Statt einen Trailer nur zu kürzen oder zurückzuhalten, machte das Studio ihn absichtlich zum „Leak“. Für ein Spiel, das ständig mit Zensur- und Freigabefragen zu kämpfen hatte, passt diese Lösung erstaunlich gut zur chaotischen Geschichte von Left 4 Dead 2.