WWE 2K26 hat ein seltsames Problem: Es versteht ziemlich gut, warum Wrestling-Matches spannend sein können. Im Ring entstehen weiterhin diese kleinen Geschichten aus riskanten Aktionen, Kontern, Erschöpfung und dem Moment, in dem ein sicher geglaubter Sieg plötzlich kippt. Gleichzeitig macht das Spiel aus vielen Dingen, die man einfach ausprobieren möchte, eine Frage von Spielzeit oder Geld.
Das ist besonders schade, weil die Grundlage stimmt. WWE 2K26 bringt ein großes Aufgebot an Figuren, mehrere neue Match-Arten und einige sinnvolle Anpassungen mit. Wer vor allem einzelne Kämpfe austrägt, kann hier viel Freude haben. Wer jedoch ein eigenes Universe aufbauen, bestimmte Wrestler gezielt einsetzen und möglichst frei mit den Modi spielen möchte, stößt schnell auf ein System, das Fortschritt unnötig zäh macht.
Im Ring bleibt WWE 2K26 stark
Die eigentliche Kampfmechanik trägt das Spiel. Aktionen, Konter, Payback-Fertigkeiten sowie Blut- und Ermüdungseffekte sorgen dafür, dass Begegnungen nicht nur nach einer Abfolge von Schlägen aussehen. Gerade wenn beide Wrestler sichtbar erschöpft sind und ein Konter eine längere Angriffskette beendet, entwickelt ein Match die Dramatik, die Wrestling-Spiele brauchen.
Das überarbeitete Ausdauer-System hilft dabei. Neue Symbole machen besser verständlich, wann Aktionen sinnvoll sind und wie sich Konter in längeren Sequenzen lesen lassen. Es ist keine grundlegende Neuerfindung, aber eine Verbesserung an einer Stelle, die jedes Match betrifft.
Auch abseits des Rings gibt es kleine Ergänzungen. Erweiterte Aktionen an Absperrungen und neue Gegenstände wie Reißzwecken oder Einkaufswagen geben Backstage-Brawls mehr Möglichkeiten. Die Entrances sehen etwas besser aus, und interaktive Einzüge sowie einstellbare Match-Anfänge können die Atmosphäre vor dem Gong aufwerten.
Die neuen Match-Arten passen ebenfalls gut zum vorhandenen System. I-Quit-, Dumpster- und Inferno-Matches bringen Abwechslung, auch wenn sie bekannte Ideen neu auslegen statt ganz neue Regeln zu schaffen. Three Stages of Hell erlaubt drei unterschiedliche Match-Typen direkt hintereinander. Das ist vor allem dann schön, wenn man eine Fehde größer erzählen will als in einem einzelnen Standardmatch.
Viel Inhalt heißt nicht automatisch viel Freiheit
WWE 2K26 wirbt mit mehr als 400 Charakteren. Diese Zahl ist allerdings weniger eindeutig, als sie zunächst klingt, weil mehrere Varianten derselben Wrestler und Figuren aus MyRise mitgezählt werden. Für die Auswahl bleibt das trotzdem eine breite Grundlage, aber der eigentliche Knackpunkt ist der Zugriff auf diese Inhalte.
Wrestler und Extras sind über mehrere Bereiche verteilt. Manche Figuren stecken im Ringside-Pass, andere werden über MyRise oder MyFaction freigeschaltet. Das kann eine Motivation sein, verschiedene Modi zu testen. Hier wirkt es aber oft wie eine Hürde für Spieler, die ihren Lieblingswrestler einfach in Universe oder MyGM einsetzen möchten.
Genau dort verliert WWE 2K26 an Leichtigkeit. Ein Wrestling-Spiel mit so vielen Figuren lebt davon, eigene Karten zusammenzustellen, Rivalitäten auszuprobieren und absurde Traumbegegnungen zu veranstalten. Wenn gewünschte Charaktere erst nach langem Spielen erreichbar sind, wird aus dieser Freiheit schnell Pflichtarbeit.
Der große Umfang der Modi löst dieses Problem nicht automatisch. Der CM-Punk-Showcase bietet prägende Matches seiner Karriere und auch Traumduelle wie CM Punk gegen Stone Cold Steve Austin. Das bekannte Prinzip bleibt jedoch erhalten: Aufgaben müssen innerhalb eines Matches erfüllt werden, um dessen Verlauf weiterzuspielen.
Besonders bei Kämpfen mit mehr als zwei Beteiligten kann das frustrieren. Wer nach mehr als 20 Minuten ein Ziel verpasst oder verliert, muss von vorne anfangen, weil Rücksetzpunkte fehlen. Der alternative Gauntlet mit CM Punk oder AJ Lee ist eine nette Idee, besitzt bei bis zu 20 Gegnern in Folge aber ebenfalls keine Speicheroption. Für einen Modus, der viel Zeit am Stück verlangt, ist das eine unnötig harte Entscheidung.
MyRise und Universe bleiben hinter ihren Möglichkeiten
MyRise bietet diesmal für männliche und weibliche Figuren ähnliche Handlungsstränge. Neu ist, dass Entscheidungen den eigenen Charakter zum Heel oder Babyface machen können. Das gibt der Karriere zumindest eine Richtung, verändert aber nicht den Eindruck, dass die Geschichten langsam in Gang kommen und die Dialoge weiterhin sehr steif wirken.
Auch MyGM und Universe bekommen eher kleinere Ergänzungen als einen echten Neustart. Im Universe-Modus ist etwa ein Draft möglich. Gleichzeitig bleiben Fehler bestehen, und das Anlegen von Fehden bietet weiterhin zu wenig Bewegung. Gerade diese Modi müssten aber die Orte sein, an denen WWE 2K26 dauerhaft trägt: mit eigenen Shows, Rivalitäten und Karten, die sich nach den Ideen der Spieler richten.
Stattdessen wirkt vieles wie ein bekanntes Gerüst mit ein paar neuen Bausteinen. Das ist nicht wertlos, denn das Gerüst funktioniert. Aber es reicht nicht, um den jährlichen Teil deutlich weiterzubringen.
Der Ringside-Pass macht Fortschritt zur Geduldsprobe
Am stärksten bremst der neue Ringside-Pass. WWE 2K26 erscheint in vier Editionen, deren Preise zwischen 80 und 150 Euro liegen. Trotzdem gibt es zusätzlich einen Pass mit Gratis- und Premium-Bereich. Erfahrung für dessen Stufen sammelt man über absolvierte Matches, doch der Fortschritt fällt langsam aus. Wer schneller vorankommen möchte, kann Stufen mit Echtgeld kaufen.
Damit entsteht ein unangenehmer Widerspruch. Selbst nach dem Kauf einer teureren Edition bleiben Inhalte an eine lange Fortschrittsstrecke oder weitere Ausgaben gebunden. Ein Charakter wie Final Fiend Bray Wyatt 23 kann so entweder viel Zeit oder Echtgeld kosten, obwohl er für manche eigene Universe-Ideen schlicht zum gewünschten Kader gehören würde.
Auch MyFaction und The Island sind erneut von Bezahloptionen geprägt. Die kaufbare Währung VC kann eingesetzt werden, um den eigenen Spielcharakter zu stärken. Bezahlen betrifft damit nicht nur kosmetische Extras, sondern kann direkten Einfluss auf das Spiel haben.
Das alles wäre weniger störend, wenn die Freischaltung im normalen Spieltempo angenehm laufen würde. Doch gerade die langsame Progression macht die Bezahlangebote so präsent. WWE 2K26 fordert nicht nur dazu auf, lange zu spielen, sondern erinnert immer wieder daran, dass sich dieser Weg abkürzen lässt.
WWE 2K26 ist deshalb kein schwaches Wrestling-Spiel. Die Kämpfe machen Spaß, neue Match-Arten erweitern die Auswahl sinnvoll, und das große Roster bietet grundsätzlich viel Stoff für eigene Shows. Aber der Fortschritt steht zwischen dem Spiel und seiner größten Stärke: der Freiheit, mit diesem Kader zu machen, was man möchte.
Wer vor allem klassische Matches austrägt und sich nicht daran stört, Inhalte nach und nach freizuspielen, bekommt ein solides Paket mit guten Ringmomenten. Wer dagegen alle Wrestler schnell für Universe, MyGM oder eigene Traumkarten nutzen will, muss viel Geduld mitbringen. Oder sehr bereit sein, noch einmal zu bezahlen.